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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 351
trotz seiner Gebrechlichkeit – er hat auf einem Auge die Sehkraft ganz ver-
loren – und trotz seiner nichts weniger als festen Gesundheit“. Wenn Becker
am Ende seines Berichts schreibt, dass er „in dem Maße, als ich von den
mir zugewiesenen Beamten Ordnung, Pünctlichkeit und treue Pflichterfül-
lung in Anspruch nehme, auch die gegenseitige Verbindlichkeit zu haben
glaube, diese ihre Eigenschaften, wo sie sich in höherem Grade zeigen, zur
verdienten Anerkennung zu bringen“, so zeigt dies, dass er aufgrund sei-
ner Führungskompetenz schon nach seinem ersten Dienstjahr als Vorstand
fest im Sattel saß.1132 Bereits am 23. Jänner 1871 wird Kaiser Ferdinand
das Gesuch Winklers um Versetzung in den dauernden Ruhestand mitge-
teilt, was dieser genehmigt. Sein bisheriger Aktivbezug von 1.785 fl. ö.W.
wird ihm ab 1. März 1871 als Pension weiterbezahlt. Er stirbt am 8. Februar
1881.1133 Becker bittet nun nicht nur die freie gewordene Stelle an den Offi-
zial Josef Thaa mit ebendiesem Tag zu verleihen, sondern auch den pensi-
onierten Statthaltereirat Friedrich Swieceny1134 als Hilfsarbeiter für einen
täglichen Bibliotheksdienst von 9 bis 14 Uhr gegen eine monatliche Remune-
ration von 50 fl. ö.W. anstatt eines neuen Offizialen provisorisch anzustellen.
Die Aushilfe ist notwendig, um die durch Winklers Augenleiden in Verzug
geratenen Arbeiten u. a. für den gedruckten Katalog rascher erledigen zu
können. Ferdinand genehmigt auch dies.1135 Die Freude über die geglückte
Personalrochade und die willkommene Aushilfe währt nur kurz. Noch be-
vor Josef Thaas Beförderung wirksam wird, stirbt er am 15. Februar 1871
mit nur 36 Jahren an einem Gehirnödem.1136 Der kinderlosen Gattin Pauline
wird auf Ansuchen Beckers eine Pension von 420 fl. ö.W. für die Dauer ihres
Witwenstandes verliehen.1137 Sein unvermuteter Tod trifft die Bibliothek be-
sonders schwer, da man erst kurz zuvor jene Bücher von der Hofbibliothek
zurückbekommen hat, die Franz Joseph dort für einige Zeit hat verwalten
lassen.1138 Aufgrund der veränderten Situation ersucht Becker nun darum,
die Offizialen-Stelle neu besetzen zu lassen. „Unter den Bewerbern, die un-
mittelbar nach dem der Tod des Scriptors [Josef] Thaa in der Wienerzeitung
1132 FKBA26141, fol. 1r–2r.
1133 FKBA27008 (Winklers Parte).
1134 1805 in Neuhaus (Böhmen) geboren, von 1827–1843 beim Gubernium in Galizien ange-
stellt, zuletzt als Kreishauptmann, 1849 k. k. Kommissär in der russischen Hilfsarmee
in Ungarn, 1853–1867 Rat bei der n.ö. Statthalterei, am 16.10.1867 in den Ruhestand
versetzt; siehe FKBA27008, fol. 1r bzw. 3r. Verstorben am 17.06.1886 lt. Wiener Zeitung
Nr. 138 v. 18.06.1886, Beilage Wiener Abendpost, 7.
1135 FKBA27008.
1136 Wiener Zeitung Nr. 50 v. 19.02.1871, 722.
1137 FKBA27007.
1138 Vgl. Abschnitt 5.6.2.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken