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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 361
Vergleicht man den Status des einstigen Personals der Privatbibliothek
Franz’ I. mit jenem, den die Mitarbeiter der Fideikommissbibliothek durch
die Angleichung des Besoldungssystems an das des Hofstaatspersonals 1873
erhielten, so ist die Metamorphose von kaiserlichen Privatbeamten zu de
facto Staatsdienern evident. Die reale Gleichstellung äußert sich beispiels-
weise darin, dass den Mitarbeitern etwa 1873 zwanzig Freikarten für den
Zutritt in den Schönbrunner Schlossgarten zur Verfügung gestellt werden,
in dem am 7. August dieses Jahres aus Anlass der Abreise des Schahs von
Persien, Nassr ed-din (auch Naser ad-Din) – der Schah hatte die Wiener
Weltausstellung besucht – ein Feuerwerk abgebrannt wird.1169 1875 kom-
men die Beamten überdies in den Genuss von Hoffreibillets für die beiden
Hoftheater (Burgtheater und Hofoper), nachdem ein früherer Bezug auf-
grund Khloybers „seinerzeitige[r] Unterlassung der rechtzeitigen Meldung“
nicht möglich gewesen ist.1170
Der Tod Kaiser Ferdinands im Juni 1875 in Prag hat zur Folge, dass seine
Privatbibliothek nach einer Dublettenaussonderung umgehend nach Wien
rücktransportiert und mit den Beständen Franz Josephs zusammengeführt
wird. Da durch diesen Zuwachs eine Erweiterung des teilweise bereits im
Druck befindlichen Katalogs notwendig und zudem ein Mitarbeiter zur Über-
nahme und Aussonderung für längere Zeit nach Prag abkommandiert wird,
bittet Becker am 20. August, den seit Thaas Abgang vakanten Posten des
Kustos’ nun doch zu besetzen. Er schlägt hierfür den seit viereinhalb Jahren
Dienst tuenden Skriptor Carl Post1171 vor, dem bislang „die neue alphabeti-
sche Anordnung der Porträtsammlung, die Adjustierung der neu eingelegten
Porträts, die Catalogisierung der in die Privatbibliothek [Kaiser Franz Jo-
sephs] eingelaufenen Bücher und Schriften und die Rechnungsführung“ über-
antwortet war. Die Stelle des ersten Skriptors wäre folglich Alois Karpf zu
verleihen, dem während seines nunmehr dreijährigen Dienstes speziell „die
Katalogisierung und Evidenzhaltung der geographischen Objecte (Karten
und Atlanten), so wie die Controlle der neu aufgenommenen und für den Ein-
band bestimmten Bücher“ zugewiesen war. Für die Stelle Karpfs schlägt Be-
cker den in beiden Bibliotheken bereits seit Jänner des Jahres unentgeltlich
tätigen Lehramtskandidaten Wenzel Schaffer1172 vor. Becker lernte ihn ken-
1169 FKBA27070.
1170 FKBA28012.
1171 Post ist mittlerweile verheiratet und Vater von zwei Kindern.
1172 Geboren am 23.08.1851 in Vierhöfen auf dem kaiserlichen Familiengut Bistrau (Böh-
men), Besuch des Piaristengymnasiums in Leitomischl, 1871–1875 Triennium an der
philosophischen Fakultät Wien (philologisches Lehrfach), Hauslehrer bei mehreren Fa-
milien, vgl. FKBA28016, fol. 2v bzw. FKBA33090, fol. 2r. Schaffer verstirbt am 23.01.1891
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken