Seite - 364 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN364
Geschick und der lobenswerthesten Bedachtnahme auf Reinlichkeit und
Nettigkeit“ erledigt, weshalb Becker darum bittet, allen Involvierten „die
allerhöchste Anerkennung ausdrücken zu dürfen“. Der Kaiser kommt die-
sem Ansuchen nach und verleiht Becker gleichzeitig am 27. März 1877 das
Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens für seine Verdienste.1181 Dass ihm
mit dieser Auszeichnung nicht nur seine bibliothekarischen Verdienste ver-
golten wurden, zeigen Schriftstücke in den Direktionsakten der Kabinetts-
kanzlei. Bereits Anfang Oktober 1874, bald nach der Rückkehr der Mann-
schaft der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition, schreibt Johann
Nepomuk Graf Wilczek im Namen des Unterstützungskomitees an Kabi-
nettsdirektor Braun, „daß das Füllhorn der Allerhöchsten Gnade […] über
alle Mitglieder der Expedition in so reichem Maße“ ausgeschüttet worden
sei, man jedoch auf eine Person (nämlich Becker) vergessen habe, durch des-
sen „unermüdlichen Fleiß, seine reichen Kenntniße und große Erfahrung die
wichtigsten Dienste für das Unternehmen“ geleistet worden seien, „und es
von allen Theilnehmern desselben als eine Ehrenschuld betrachtet werde,
die hervorragenden Leistungen Beckers zur allerhöchsten Kenntniß zu brin-
gen“. Wilczek schlägt schon damals vor, Becker mit dem Komturkreuz des
Franz-Joseph-Ordens auszuzeichnen. Franz Joseph setzt neben den Vortrag
Brauns zunächst die eigenhändige Resolution „In Wien erneuert vorzule-
gen“, später wird von einem Beamten jedoch der Vermerk „Auf ah. Befehl bis
auf Weiteres ad acta“ daruntergesetzt.1182 1877 sah man wohl den Anlass ge-
kommen, Becker auch hierfür zu belohnen. Zu seinen Ehren war schon zuvor
eine der Inseln von Franz-Josef-Land „Ostrov Bekkera“ benannt worden.1183
Am 21. März 1877 stirbt Kustos Carl Post.1184 Da er weniger als zehn
Jahre bei Hof beschäftigt war und aufgrund der seit Anfang diesen Jahres
geltenden neuen Pensionsvorschriften1185 noch nicht bezugsberechtigt gewe-
sen wäre, bittet seine Gattin Marie Therese Post um die Bewilligung einer
„normalmäßigen Pension“, da sie zwei unmündige Kinder zu ernähren habe
und kein Privatvermögen besitze. Außerdem habe sich die Gehirnkrank-
heit ihres Mannes durch einen Sturz von der Bibliotheksleiter während des
Dienstes dramatisch verschlimmert und schlussendlich zu seinem frühen
Tod geführt. Franz Joseph gewährt eine Pension von jährlich 500 fl. und
für jedes der beiden Kinder einen Erziehungsbeitrag von 100 fl.1186 Ende De-
1181 FKBA28062.
1182 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 9, 3–1877.
1183 Becker, Becker, 19.
1184 Begraben am Zentralfriedhof.
1185 FKBA28053.
1186 FKBA28063.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken