Seite - 368 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN368
Wirft man abschließend einen Blick auf die regionale Abstammung der
Mitarbeiter, so würde man aufgrund der notwendigen exzellenten Deutsch-
kenntnisse wohl erwarten, dass die Angestellten vorrangig aus dem Gebiet
des heutigen Österreich oder sogar aus Wien oder dessen Umkreis stammen.
Dies trifft allerdings nicht zu. Die Bibliotheksleitung setzt sich aus dem aus
der Bukowina stammenden aber in Niederösterreich erzogenen Khloyber
und dem Deutschmährer Becker zusammen. Bei den Skriptoren stehen den
Wienern Georg und Josef Thaa, Josef Winkler und Alois Karpf die Deutsch-
böhmen Carl Post, Wenzel Schaffer und Josef Kaiser gegenüber. Der Bib-
liotheksdiener Johann Mignot stammt aus Niederösterreich, seine Kollegen
Josef Wich, Josef Zörner und Ignaz Elsner sind ebenfalls Deutschböhmen.
Auch unter den Hilfskräften ist eine gewisse Ausgewogenheit zu konstatie-
ren, Friedrich Swieceny ist Deutschböhme, Eduard Pino-Friedenthal kommt
aus dem Wiener Raum und der Vorstandsadjunkt Josef Waelty ist gebürti-
ger Vorarlberger.
Resümee
Den schlussendlich zur Familien-Fideikommissbibliothek zusammenge-
führten Privatbibliotheken der ersten drei Kaiser von Österreich wurde im
Zeitraum von 1835 bis 1878 unterschiedliche Bedeutung zugemessen. Einem
ersten glanzvollen Höhepunkt noch während der Regentschaft Franz’ I. und
unter der Führung des ersten Bibliothekars Peter Thomas Young, der im
ersten Band dieser Publikationsreihe dargestellt wurde, folgte ein Abklingen
unter seinem Nachfolger Leopold Joseph von Khloyber und Kaiser Ferdin-
and I. Dieser Wandel ist auf mehrere Umstände zurückzuführen. Zunächst
hatte die testamentarisch festgehaltene Absicht Franz’ I., seine Sammlung
zu einem Fideikommiss zu erklären, zur Folge, dass der Buch- und Grafikbe-
stand der franziszeischen Privatbibliothek mit Ausnahme von Fortsetzungs-
lieferungen noch inkompletter Werke oder Periodika nicht weiter wachsen
sollte. Darüber hinaus hatte Ferdinand von Jugend an – vermutlich nach
dem Vorbild des Vaters – selbst eine Privatbibliothek angelegt, die bis dahin
höchstens oberflächlich katalogisiert und auf mehrere Standorte des Hof-
burgkomplexes verteilt aufgestellt worden war. Ihr sollten nun sowohl eine
erhöhte Aufmerksamkeit des Bibliothekspersonals zuteilwerden als auch
die sukzessive verfügbar werdenden finanziellen Mittel aus der 1812 für die
franziszeische Privatbibliothek bewilligten Bibliotheksdotation in erhöhtem
Maße zugutekommen. Ein dritter Grund manifestiert sich in der Person
Khloybers selbst. Er besaß zwar das notwendige bibliothekarische Fachwis-
sen, konnte aber weder zu Franz I. während dessen letzten Lebensjahren
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken