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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN398
Ich kann dieser Erklärung der Bibliotheksbeamten, abgesehen von ihrer
bewährten Vertrauenswürdigkeit, um so weniger den Glauben versagen, als
ich bestimmt weiß, dass der 1868 verstorbene Bibliotheksadjunct Welty sich
mehrmal [sic] bedauernd in demselben Sinn geäußert hat.
Die genaue Durchsicht jener literarischen Werke, die mehrere Wochen in
Anspruch nahm, [pag. 6] ergab nun folgendes:
a) Vom Jahre 1836 bis zum Tode meines Vorgängers, Mai 1869 – der Zeit-
raum lässt sich aus den vorliegenden Büchern genau constatieren – wurden
Rückstände an literarischen Werken aufgehäuft, die man für die Bibliothek
ankaufte und in die Cataloge eintrug, aber weder einbinden noch aufstellen
ließ. Ihre Zahl beträgt nahezu 500 Werke in 600 Bänden. Davon sind weit
über 300 meist sehr kostbare Werke archaeologischen, kunstgeschichtlichen,
naturwissenschaftlichen und geographischen Inhalts mit wertvollen Illust-
rationen, solche, die in einzelnen Lieferungen erschienen und bei denen es
dringend nothwendig gewesen wäre, jede Lieferung sogleich nach dem Emp-
fang in Bezug auf ihre Vollständigkeit collationieren zu lassen, um einen all-
fälligen Defect zu reclamieren.
b) Unter den genannten, in Lieferungen erschienenen Werken fanden sich
vierzig von größerem Belang vor, die incomplett sind, indem sie einen we-
sentlichen Abgang an Illustrationen oder Text zeigen; und weiter bis auf den
jetzigen Augenblick sechzig Doubletten, die entweder angekauft wurden,
während man sie schon besaß, oder vielleicht durch kaiserliche Geschenke
der Bibliothek zugewendet wurden, was sich nicht mehr constatieren lässt.
Leider rühren die incom[pag. 7]pletten Werke zum größten Theil von Firmen
her, die längst nicht mehr bestehen, sind theilweise schon lang nicht mehr
im Buchhandel, und ich habe mir aus einigen Versuchen die Überzeugung
verschafft, dass eine Complettierung in vielen Fällen gar nicht, oder, wenn
man sie jetzt forcieren wollte, nur mit Geldopfern durchzuführen wäre, die
mit dem realen Wert jener Erzeugnisse in keinem Verhältnis stehen.
Über die Umstände, durch welche diese Anhäufung ungebundener Werke
herbeigeführt wurde, kann ich aus den in der Bibliotheksregistratur befind-
lichen Behelfen nicht viel mehr als Vermuthungen aussprechen.
Vor dem Jahre 1852 bestand der Usus, dass der Vorstand der Bibliothek
die für die Bibliotheksauslagen praeliminierte Jahressumme von 4800 fl.
aus der k k Privat- und Fideicommisskasse gegen Verrechnung erhob und
davon die während des Jahres aufgelaufenen Ausgaben für Bücher, Einband
u. s. w. selbst bestritt. Da der Ankauf von Büchern von der a.h. Entschlie-
ßung Seiner Majestät abhängig war, so wurden allfällige Überschreitungen
der Jahressumme, die öfter eintraten, durch einen mittels a.h. Handschrei-
ben erwirkten Nachtrag gedeckt.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken