Seite - 399 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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ANHANG 399
Seit 1852 werden die Buchhändler- und Buchbinderrechnungen nach
erfolgter Richtigstellung von den Betheiligten selbst an der Cassa praesen-
tiert, während der Vorstand zur Bestreitung der unmittelbaren Hausausga-
ben ein Pauschale von monatlich 70 fl. gegen Verrechnung empfängt.
Da nun Regierungsrath Khloyber – wodurch [pag. 8] veranlasst, kann
nicht ausgemittelt werden –vom Jahre 1848 an über die von ihm aus der k k
Privatkasse für die Familien Fideicommissbibliothek behobenen Summen
vielleicht ohngeachtet mehrerer an ihn ergangenen Mahnungen keine Rech-
nung gelegt hatte, so wurde er im Jahre 1852 von Seiner Excellenz dem Gra-
fen Bombelles mit Schreiben vom 7. Nov. Zahl 428 zur schleunigen Vorlage
der rückständigen Rechnungen aufgefordert.
Nach fragmentarischen Aufzeichnungen, die sich hierorts vorfinden, kam
v. Khloyber diesem Auftrage entweder Ende 1852 oder Anfangs 1853 nach
und es ergab sich dabei, dass nach Abzug der ausgewiesenen Auslagen noch
ein Cassarest von baren 5647 fl. 16 kr. Conv. Münze in seiner Hand war.
Über die Anträge, die er bei diesem Anlass in Bezug auf die Verwendung des
erübrigten Betrages für die Zwecke der Fideicommissbibliothek – für welche
er bereits bestimmt und behoben war – gestellt so wie über die a.h. Entschei-
dung auf diese Anträge ist in den hierortigen Acten nichts aufzufinden; doch
erklärt der Scriptor Thaa aus seiner guten Erinnerung, dass in der That der
Antrag gestellt worden sei, für die erübrigte Summe die große Zahl unge-
bundener, theils auch schadhafter Bücher ohne weitere Belastung der a.h.
Privatcassa in den geeigneten Stand setzen zu lassen.
Im weiteren Verlauf der am a.h. Hoflager in Prag gepflogenen Verhand-
lungen erschienen eines Tages die Beamten der k k Hofbibliothek Freiherr
von Münch-Bellinghausen und Custos Birk als bestellte [pag. 9] Vertrauens-
männer in der k k Fideicommissbibliothek, um von dem Zustande dersel-
ben Einsicht zu nehmen und darüber Bericht zu erstatten, und einige Zeit
nachher erhielt von Khloyber den Auftrag, die in seinen Händen befindliche
Summe von 5647 fl. 16 kr. Conv. Münze ungesäumt an die a.h. Privatcassa
abzuführen, was den[n] auch nach einer in den Bibliotheksacten vorliegen-
den Quittung vom 7. April 1853 geschah.
Nach Ansicht des vorgenannten Scriptors Thaa, der mir in dieser Bezie-
hung als ein unbedingt sicherer Gewährsmann gilt, war diese ungünstige
und mit Rücksicht auf die factischen Bedürfnisse der Bibliothek auch unge-
rechtfertigte Erledigung zumeist durch das schroffe, von vorgefassten An-
sichten beherrschte Verhalten v. Khloybers herbeigeführt worden.
An sich etwas reizbarer Natur und durch die Vertrauensstellung ver-
wöhnt, die er bei weiland Seiner Majestät dem Kaiser Franz I. eingenommen
hatte, kam v. Khloyber durch die Verfügung, dass man die Richtigkeit seiner
Angaben durch eine Commission constatieren lasse, in eine unbeschreibliche
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken