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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN406
Insbesondere wichtig und im Interesse einer gerechtfertigten Sparsam-
keit erscheint mir das Zuwarten mit dem Ankauf solcher Werke, von denen
sich annehmen lässt, dass sie in Folge allerhöchst gewährter Annahme in
die Privatbibliothek Seiner Majestät117 des Kaisers aufgenommen werden,
weil diese Bibliothek mit der Familienbibliothek unter dieselbe Leitung ge-
stellt ist und – wenigstens in Bezug auf die Benützung den gleichen Zweck
hat.
Leider konnte dieser Rücksicht mein Vorgänger nicht gerecht werden,
da seit 1849 alle von Seiner Majestät angenommenen literarischen Werke
nicht mehr an die Privatbibliothek, sondern [pag. 21] an die k k Hofbiblio-
thek abgegeben wurden und damit die Bemüßigung eintrat, die Beschaffung
wichtiger, namentlich österreichischer Werke118 aus der Dotation der Fidei-
commissbibliothek zu bestreiten. Dass in einem Zeitraum von 20 Jahren
auf diese Art viel Geld ausgegeben wurde, welches für die Bibliothek hätte
gespart werden können, und dennoch bedeutende Lücken in der Bibliothek
übrig blieben, bedarf keiner Erwähnung.
Indem Seine Majestät mit allerhöchster Entschließung v. 19. April l. J.
[1870] geruhet haben, alle der allerhöchsten Annahme gewürdigten literari-
schen Werke von nun an Ihrer Privatbibliothek zuzuwenden, ist es dem Vor-
stande wieder möglich geworden, die oben angedeutete Rücksicht in vollem
Maße zur Geltung zu bringen.119
Dabei sehe ich davon ab, dass die kk Hofbibliothek, wie dies in der hohen
Intimation vom 21. April angedeutet ist, irgend ein Buch aus jener Zeit an
die allerhöchste Privatbibliothek ausfolgen werde, da ihr durch den Verkauf
von Doubletten der Erweis für die Nothwendigkeit des Besitzes jederzeit of-
fen steht. Allein das Privateigenthum Seiner Majestät ist damit für die Zu-
kunft gesichert und den unter meiner Leitung stehenden Sammlungen die
Möglichkeit einer rationellen Entwicklung unter den billigsten Bedingungen
gegeben.
Noch einen Punkt glaubte ich berühren zu sollen, der zur Förderung die-
ses Zweckes we[pag. 22]sentlich beiträgt
117 Unterstreichung mit Bleistift.
118 Dicke Unterstreichung mit blauem Buntstift.
119 Gestrichen wurde der Absatz: „Dabei sehe ich davon ab, dass die k k Hofbibliothek, wie
dies in der h. Intimation vom 21. April angedeutet ist, irgend ein Buch aus jener Zeit an
die allerhöchste Privatbibliothek ausfolgen werde, da ihr durch den Verkauf von Dubletten
der Beweis für die Nothwendigkeit des Besitzes jederzeit offen steht. Allein das Privat-
eigenthum Seiner Majestät ist damit für die Zukunft gesichert und den unter meiner Lei-
tung stehenden Sammlungen die Möglichkeit einer rationellen Entwicklung unter den bil-
ligsten Bedingungen gegeben.“
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken