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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN408
vorkommenden Portraite, durch welche die Portraitsammlung in einzelnen
Fällen ergänzt oder bereichert werden kann. Es wäre demnach sehr wün-
schenswert, wenn jene Zeitungen und illustrierten Blätter, welche für Seine
Majestät angeschafft werden, nach erfolgter Benützung an die Bibliothek
abgegeben würden.
Soweit ich mich aus den Ankaufslisten der nächst vorhergehenden Jahre
orientieren konnte, ist für die Ergänzung und Erweiterung der Fideicom-
missbibliothek nach dem Maß der vorhandenen Mittel im Ganzen entspre-
chend gesorgt worden; und wenn mein Vorgänger in einzelnen Richtungen
der Literatur mehr, in andern weniger that, als es mit einer gleichmäßigen
Obsorge vereinbarlich ist, so wird abgesehen von den Schwierigkeiten, die
ich bereits angedeutet habe, auch in nicht bekannten Umständen, unter de-
nen er thätig war, eine Entschuldigung zu finden sein.
In einem Puncte jedoch schien es mir mit Rücksicht auf die Stellung und
den Zweck der mir anvertrauten Sammlungen geradezu unmöglich, in sei-
ner Weise fortzuarbeiten. Ich muß hier zu den angedeuteten Rücksichten,
[pag. 24] die mich beim Ankauf von Büchern leiten, noch folgendes anführen:
c. Ephemere Erscheinungen der Tagesliteratur, novellistische und poeti-
sche Einzelschriften, periodische Blätter und Tendenzbrochüren [sic] sollen
nach meiner Ansicht gar nicht, oder nur in besondern Ausnahmefällen Ge-
genstand des Ankaufs sein, nämlich dort, wo damit eine schon in der Bib-
liothek vorhandene Literatur in erheblicher Weise ergänzt, oder eine wis-
senschaftliche – auch wol politische – Frage der Gegenwart mit gewichtigen
Argumenten erörtert, oder ein speciell Österreich betreffender Gegenstand122
mit culturhistorischem Interesse behandelt wird. In diesen Fällen hat das
Buch den Wert eines schätzbaren Materials für das Studium der Zeit über-
haupt oder einer gewissen Richtung der Zeit, das dem Gelehrten wie dem ge-
bildeten Laien zu Gute kommt und in einer kommenden Zeit die Rückschau
auf bestandene Verhältnisse sehr erleichtert.
Wenn diese Ansicht Anspruch auf Berechtigung hat, so dürfte die ent-
schiedene Einsprache gebilligt werden, die ich mir gleich nach Übernahme
der Bibliothek gegen den Ankauf ja auch gegen den Fortbezug gewisser von
meinem Vorgänger gehegten Bücher erlaubt habe. Ich fand nämlich eine
nicht undeutende Zahl von Büchern und Schriften vor, die, ohne den ge-
ringsten wissenschaftlichen Wert, bloß den Tagesinteressen dienen, illust-
rierter Zeitschriften, die außer dem Vorstande der Bibliothek keinen Leser
hatten, Romane und Novellen, sogenannte [pag. 25] populäre Erörterungen
naturwissenschaftlicher Fragen, wie sie die Buchhändlerspeculation auf den
Markt wirft, Handbücher für practische Lebenskreise, die mit der Wissen-
122 Unterstreichung mit blauem Buntstift.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken