Seite - 440 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM440
geben an, was im Verrechnungszeitraum in der jeweiligen Rubrik (Ankäufe,
Adjustierungen, Kanzleiausgaben, Sonderbudgets) an Geldern bewilligt
bzw. ausgegeben wurde und welcher Saldo sich daraus ergab.16 Da die Aus-
gaben für Ankäufe und Adjustierungen jedoch direkt vom Rechnungsdepar-
tement der Verwaltung der habsburgischen Familienfonde nach Vorlage der
Rechnungen beglichen wurden, war die Beantragung einer Dotation eher ein
Formalakt, der wohl hauptsächlich dazu diente der vorgesetzten Behörde
Daten für die Kalkulation der finanziellen Aufwendungen zu liefern.
Bis zum Jahr 1878 wurden die Ausgaben für die Ankäufe und Adjustie-
rungen von Werken, die in die Privatbibliothek Franz Josephs gelangten,
und jene, die sich auf den Bestand der Fideikommissbibliothek bezogen, ge-
trennt verrechnet und durch unterschiedliche Kassen beglichen. Im ersten
Fall kam für die Kosten die Privatkasse des Kaisers auf.17 Nachdem aber
Franz Joseph am 8. März 1878 Fideikommissherr geworden war und wenige
Wochen später die Vereinigung seiner Privat- mit der Fideikommissbiblio-
thek angeordnet hatte, wurden in Hinkunft die Ausgaben für die Erweite-
rung und Adjustierung der zusammengeführten Bestände sämtlich aus der
(Falkenstein‘schen) Fideikommisskasse bestritten.18 Diese war aufgrund ge-
schichtlicher Zufälle zur Grundlage der Finanzierung der Fideikommissbib-
liothek geworden und stand trotz ihres analogen Namens in keiner sonstigen
Beziehung zu ihr.19 1906 wurde dies auch im Zuge einer internen Aufarbei-
tung der Sammlungsgeschichte in der Generaldirektion der k. u. k. Familien-
fonde bemerkt. In einer Stellungnahme befand der damalige Vize-Generaldi-
rektor Franz von Hawerda-Wehrlandt, dass es weitaus angemessener wäre,
die Kosten für die Fideikommissbibliothek aus dem Habsburg-lothringi-
schen Familienfond zu bestreiten.20
Die Fideikommissbibliothek verfügte daneben auch über ein Kleinbudget,
das ihr direkt ausbezahlt wurde: die sogenannte „Dotation für Kanzleiausga-
ben“. Wie der Name bereits andeutet, waren diese Gelder hauptsächlich für
Büroausgaben bestimmt; sie konnten jedoch flexibel verwendet werden und
dienten aufgrund ihrer Verwendung für die Bezahlung der Mitgliedsbeiträge
an jene Vereine, denen die Fideikommissbibliothek beigetreten war, um an
die Vereinspublikationen zu gelangen, indirekt auch dem Ankauf von Wer-
ken. Die Dotation für Kanzleiausgaben stellt gewissermaßen ein Residuum
16 FKBA30005, FKBA33010, FKBA33089, FKBA34003, FKBA34075, FKBA34137.
17 Vgl. den Beitrag von Thomas Huber-Frischeis in diesem Band, Abschnitt 5.10.2.
18 Im Präliminare für das Jahr 1879 (FKBA29010, fol. 6r) sind die Kostenvoranschläge erst-
mals zusammengeführt.
19 Vgl. den Beitrag von Thomas Huber-Frischeis in diesem Band, Abschnitt 5.10.1.
20 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 4681 ex. 1906: „Exposé“ zur Geschichte
der Fideikommissbibliothek, [pag. 19–22].
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken