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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 441
der ursprünglichen Bibliotheksdotation dar, da sie eingeführt wurde, als
man Wilhelm Leopold von Khloyber in den 1850er Jahren die Verfügungsho-
heit über diese entzog, um dem Bibliotheksdirektor nicht alle ihm unmittel-
bar zur Verfügung stehenden Mittel zu nehmen.21 Bis zum Jahr 1900 wurde
sie monatlich ausbezahlt, danach auf Antrag des damaligen Bibliothekslei-
ters Alois Karpf vierteljährlich, da die Geldbedürfnisse in den einzelnen Mo-
naten unterschiedlich und v. a. im Jänner sehr hoch waren.22
Was der Fideikommissbibliothek auf die beschriebenen Weisen zu Jahres-
beginn an Geldern zur Verfügung gestellt wurde, konnte ihren Bedarf meist
nicht decken. Eine Möglichkeit, mit diesem Umstand zurecht zu kommen,
war die Beantragung von Zuschüssen, die entweder im Voraus oder zur
nachträglichen Bezahlung unvorhergesehener Kosten gewährt wurden. In
den meisten Fällen ging es um außerordentliche Aufwendungen, die etwa
bei den mehrfach notwendigen Übersiedlungen der Bibliothek anfielen, bei
sonstigen baulichen Maßnahmen oder bei Restaurierungen und der Druck-
legung des Kataloges etc.23 Mehrfach mussten auch Rückstände in der Kanz-
leidotation beglichen werden,24 und für wichtige Gelegenheitskäufe und Er-
gänzungen der Sammlung wurden ebenfalls zusätzliche Gelder bewilligt.25
Da das Ankaufsbudget jedoch insgesamt zu knapp bemessen war, etablier-
ten sich außerhalb der Finanzierung durch die Fideikommisskasse zwei Me-
thoden, um zusätzlich Geldmittel zu lukrieren.
Eine Möglichkeit war der Verkauf von Dubletten: Auf Antrag von Biblio-
theksdirektor Becker hatte der Kaiser mit Kabinettsschreiben vom 10. März
1871 genehmigt,26 „dass die in der k. k. Familienfideikommiss-Bibliothek
vorhandenen Dubletten von literarischen Werken, Landkarten und Por
träts
durch Tausch oder Verkauf für die Bibliothek nutzbar gemacht werden.“27 In
größerem Stil wurde diese Einnahmequelle in den 1880er Jahren genutzt,
als man große Mengen an Porträtdubletten verkaufte. Dies geschah jedoch
nicht einfach durch Veräußerung auf dem einschlägigen Markt, sondern
durch Handel mit bevorzugten Institutionen. Ein Vorkaufsrecht besaßen
die Mitglieder der kaiserlichen Familie. Es wurde von den Erzherzogen Karl
Ludwig, Johann Salvator und Ludwig Viktor auch voll ausgenutzt. Weitere
21 Vgl. den Beitrag von Thomas Huber-Frischeis in diesem Band, Abschnitt 5.10.3.
22 FKBA35261, fol. 1v.
23 Beispielsweise FKBA32042, FKBA34065, FKBA35047, FKBA41028.
24 FKBA34156, FKBA35061, FKBA35262.
25 FKBA32023.
26 FKBA27004.
27 FKBA30040, fol. 8v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken