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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 453 -
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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 453 Jahres einen Antrag auf Pensionierung Kaisers.66 Am selben Tag richtete er aber noch ein zweites Schreiben an Kabinettsdirektor Braun betreffend die Nachbesetzung der Kustodenstelle, das einige wertvolle Einblicke in die Persönlichkeit von Alois Karpf gewährt und in dieser Beziehung auch auf- schlussreich für spätere Entwicklungen ist. Aus der Darstellung und Argu- mentation des Bibliotheksdirektors geht nämlich unzweideutig hervor, dass er eigentlich Wenzel Schaffer als den geeigneteren Kandidaten für den zu vergebenden Posten hielt. Dieser wäre vielseitig und praktisch verwendbar und hätte in seiner bisherigen, achtjährigen Tätigkeit in der Sammlung bereits einige verantwortungsvolle Aufgaben übernommen.67 Das galt für Karpf offenbar nicht. Laut Becker war dessen Persönlichkeit dadurch ge- prägt, dass er „zum abstrakten Gelehrtenthum hinneigt“, und „durch eine gewisse Schwerfälligkeit im Denken, wo es sich um practische Dinge han- delt“. Er würde geleitet von einer „minutiösen Aufmerksamkeit, […] sobald er sich in ein Fach hineingearbeitet hat“. Deshalb wäre Karpf zwar „in sei- nen Leistungen auf rein bibliographischem Felde vollkommen auf seinem Platze“, könnte aber „nur im Falle der Noth und aushilfsweise zu anderen Arbeiten verwendet“ werden.68 Das wirft bereits einiges Licht auf die Persön- lichkeit von Alois Karpf und sollte später – in der Zeit, als er der Sammlung vorstand – in verschiedener Hinsicht durchaus Bestätigung finden. Doch Be- cker sah auch Positives: Karpfs Neigungen und Fähigkeiten könnten „mit Vortheil verwerthet werden, da ein Repertorium biographischer Notizen für eine Porträtsammlung, ein Repertorium der Monographien in Sammelwer- ken für die Büchersammlung ein wichtiges und bisher schwer vermisstes Hilfsmittel zur eigenen und fremden Orientierung bildet.“69 Tatsächlich hat Karpf später an der Erstellung eines umfangreichen Apparates an Zettel- katalogen zur Verschlagwortung verschiedener inhaltlicher Kategorien ge- arbeitet, und es wäre aufgrund der eben zitierten Aussage denkbar, dass die ursprüngliche Inspiration dazu von Becker ausging (vgl. Abschnitt 2.3.1). Bevor wir dieses konzise Psychogramm des zukünftigen Kustos und Biblio- theksleiters verlassen, muss noch erwähnt werden, dass jene Passagen in Beckers Bericht, die die positiven Eigenschaften Karpfs hervorheben, von fremder Hand mit verschiedenfarbigen Stiften angestrichen und zum Teil auch am Rand mit Rufzeichen markiert wurden. Wie sich noch zeigen wird, 66 FKBA30085, fol. 1–2 u. 27r (Attest). 67 Becker nennt u. a. buchhalterische Tätigkeiten, die Führung von Korrespondenzen und die Abfassung der Berichte an die Fondskassa und das Obersthofmarschallamt. (FKBA30087, fol. 3r) 68 FKBA30087, fol. 2v. 69 FKBA30087, fol. 2v. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918