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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 454 -
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KAISERLICHES INSTITUT UND ERINNERUNGSRAUM454 stammten diese von keinem anderen als Karpf selbst, der in einer Zeit, als er sowohl von Vorgesetzten als auch Untergebenen bedrängt wurde, solche mutmaßlichen Beglaubigungen seiner persönlichen Leistungen sammelte – möglicherweise um sich selbst Mut zuzusprechen, vielleicht aber auch als Grundlage für Rechtfertigungen der Legitimität seiner Stellung als Samm- lungsleiter. Kehren wir zurück in das Jahr 1883 und zur Nachbesetzung der Kusto- denstelle. Auch wenn Beckers elf Jahre zuvor geäußerter Enthusiasmus bezüglich der Qualitäten von Alois Karpf anscheinend geschwunden war, wollte er diesen keinesfalls durch die Bevorzugung Schaffers kränken. Er sah die Frage der Eignung auch nicht als eine bloße Wirkung des Charak- ters oder des guten Willens, „sondern auch von der geistigen Individualität bedingt“.70 Und somit erschien es für für die Wahrung des Hausfriedens ge- boten, den „Titel und Charakter eines Custos“ sowohl für Schaffer als auch für Karpf zu beantragen. Alle von Becker eingebrachten Anträge wurden genehmigt. Josef Kaiser wurde pensioniert, ihm folgte als dritter Skriptor Johann Jureczek, der seit geraumer Zeit als Hilfsarbeiter in der Fideikommissbibliothek arbeitete. Karpf und Schaffer erhielten den „Titel und Charakter eines Custos“. Das war jedoch eine rein formale Auszeichnung, die – abgesehen von einer Per- sonalzulage für Schaffer wegen Besorgung der Kanzleigeschäfte – nicht mit einer Gehaltserhöhung verbunden war. Im Hof- und Staatshandbuch wer- den beide weiterhin als Skriptoren geführt (mit Angabe ihres Titels in Klam- mern). Diese Situation änderte sich jedoch zu Beginn des Jahres 1887. Im Rahmen eines ausführlichen Memorandums anlässlich der bevorstehenden Übersiedlung der Bibliothek hatte Becker damals auch ein neues Personal- und Besoldungsschema in Vorschlag gebracht, das unterhalb des Direktors einen Kustos und drei Skriptoren vorsah. Die einzelnen Beamtenposten sind zwar nicht mit Namen versehen und Becker erklärt in seiner Denkschrift auch nicht, wen er zum Kustos bestellt haben wollte; doch es war schließ- lich Wenzel Schaffer, der diesen Posten mit kaiserlicher Entschließung vom 27. Februar 1887 erhielt.71 Alois Karpf übte in der Folge die Funktion des ersten Skriptors aus, war also dem Rang nach Schaffer nun eindeutig unter- geordnet. Betrachtet man diese Situation im Lichte der Kenntnis der Ent- wicklung nach dem Tod von Beckers Nachfolger Zhishman im Jahr 1894, dann ergibt sich daraus die Konsequenz, dass die Geschichte der Sammlung von da ab zunächst eigentlich anders hätte verlaufen müssen: Schaffer wäre 70 Vgl. FKBA30087, fol. 2r u. 3v. 71 FKBA31077, fol. 22r; Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 534, Z. 924 ex. 1887; FKBA33090, fol. 2r. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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