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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 461
hauptsächlich landeskundliche Arbeiten publiziert. Das mag unmittelbar mit
Beckers Forschungsinteressen zusammenhängen, der in den 1880er Jahren
vor seinem Tod zwei umfangreiche Werke zur Landeskunde von Niederöster-
reich herausgab: eine mehrbändige Monographie zur Herrschaft Hernstein
und eine Topographie des Landes mit Schilderung der einzelnen Ortschaften
in alphabetischer Reihenfolge, die allerdings unvollständig blieb.99 Schnürer
hat zum zweiten Band dieses Werkes das Register erstellt,100 für Band II,1
der Hernstein-Monographie verfasste er den umfangreichen topographischen
Teil.101 Nach den Angaben, die der mit der Fertigstellung des Gesamtwerkes
nach dem Tod Beckers beauftragte Wenzel Schaffer im Vorwort macht, war
Schnürer „auf dem Gebiete der heimatlichen Topographie ein Schüler und
später eifriger Gehilfe M. A. von Becker’s, kannte am besten die Intentionen
seines Meisters in dieser Richtung und war bestrebt, durch die Arbeit den-
selben nachzukommen.“102 Diese fachliche Verbindung lässt sich bis ins Jahr
1885 zurückverfolgen. Damals veröffentlichte Becker in den „Blättern des
Vereins für Landeskunde von Niederösterreich“ einen Aufsatz mit dem Titel
„Falkenstein und die Falkensteine. Eine historisch-topographische Studie“,
dem ein Beitrag von Schnürer mit nahezu gleichlautendem Titel vorangeht,
der sich auf Falkenberg bezieht.103 Diese Arbeit hatte für ihn vorteilhafte
Konsequenzen: Im Mai 1888 wurde Schnürer „aus Anlaß der Publication des
Werkes: ‚Falkenberg und die Falkenberge‘“ zum Korrespondenten der K. k.
Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale er-
nannt. Deren Präsident war, wie bereits erwähnt, Joseph Alexander von
Helfert; es erscheint deshalb naheliegend, dass die Grundlagen für Schnü-
rers spätere Mitgliedschaft und Redaktionstätigkeit in der Leo-Gesellschaft
bereits ab diesem Zeitpunkt geschaffen wurden. Noch eine weitere Betäti-
gung dürfte durch die hier erwähnten landeskundlichen Arbeiten angebahnt
worden sein: Im Jänner 1891 wurde Schnürer mit der Leitung der Biblio-
thek auf Schloss Hernstein betraut, von Erzherzog Leopold, der ja nicht nur
Besitzer der Herrschaft, sondern auch Fideikommisskurator war (vgl. Ab-
schnitt 1.1.1). Eine eigenständige Monografie Schnürers über „Schloss Hern-
stein: seine Bücher- und Kunstsammlungen“ erschien im Jahr 1897.104
99 Topographie von Niederösterreich. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich
(Wien 1885–1913); FRANZ 32.719. Der erste Teil behandelt Wien, die Bände 2–8 enthalten
den alphabetischen Teil von „A–Pet“ (mehr nicht erschienen).
100 Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft XXIX (1886), 122.
101 Franz Schnürer: Topographie des Gebietes. In: Becker, Hernstein, Bd. II,1, 177–566.
102 Becker, Hernstein, Bd. II,1, VI.
103 Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich XIX (1885), 348–419 (Schnürer)
u. 420–460 (Becker).
104 FRANZ 40.984.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken