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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM462
Die übrigen Buchpublikationen, die Schnürer zwischen 1905 und 1930
verfasst bzw. herausgegeben hat, sind Kaiser Franz Joseph oder den Habs-
burgern gewidmet. Sie haben hauptsächlich den Zweck, die Dynastie und
die Person des Monarchen zu popularisieren. Offensichtlich steht diese
Schwerpunktsetzung in enger Verbindung mit Schnürers seit 1899 schritt-
weise entwickeltem Engagement, der Fideikommissbibliothek den Charak-
ter einer „Biblioteca Habsburgica“, also einer auf das Kaiserhaus bezogenen
Spezialsammlung, zu verleihen und in ihren Räumen ein der Öffentlichkeit
zugängliches Habsburgermuseum einzurichten (vgl. Abschnitt 3.1.1 u. Ab-
schnitt 3.3). Man muss diese Aktivitäten aber auch vor dem Hintergrund
sehen, dass das öffentliche Interesse an der Person des Kaisers und an ande-
ren Mitgliedern der Dynastie seit der Jahrhundertwende Konjunktur hatte.
Ursache oder Ausdruck davon waren u. a. die großen Feiern anlässlich der
Thronjubiläen (vgl. Abschnitt 3.4).105
Im Jahr 1903 wurde Schnürer der Franz-Josephs-Orden verliehen. Die
Umstände, die dazu führten, zeugen sowohl von seinem Ehrgeiz als auch
von seiner Fähigkeit, vorteilhafte Kontakte zu knüpfen, sich diesen gegen-
über hilfreich und angepasst zu verhalten und dies dann für seine Karriere
zu nutzen. Am 17. Dezember 1903 hatte nämlich Schnürers Mentor Joseph
Alexander von Helfert bei der Generaldirektion interveniert und die Verlei-
hung des Regierungsratstitels an seinen Schützling in Vorschlag gebracht.
Die Aktion war offensichtlich mit „Schnürer, den ich um seine Wünsche be-
fragt habe“, genau abgesprochen. Als Begründung für die Titelverleihung
führte Helfert dessen herausragende Publikationstätigkeit an, vor allem
seine Verdienste bei der Herausgabe des „Allgemeinen Literaturblattes“, das
sich inzwischen zu einem bei einheimischen und ausländischen Fachkreisen
anerkannten Publikationsorgan für wissenschaftliche Rezensionen entwi-
ckelt hatte. Durch die Ernennung zum Regierungsrat aber wäre Schnürer in
den Genuss einer Auszeichnung gelangt, die ihn in einer Gesellschaft, deren
hierarchische Struktur durch Titel und Orden kodifiziert war, höhergestellt
hätte als seinen unmittelbaren Amtsvorstand Alois Karpf. Helfert war sich
dessen durchaus bewusst; denn er führte sogleich einen „Präzedenzfall“ an,
bei dem eine solche Umkehrung von Stellung im Beamtenapparat und Titel
bestehen würde: „ein Analogon […], das seit Jahren bei dem k. k. Museum
für Kunst und Industrie besteht, in dessen Büreau der Skriptor Franz Ritter
den Regierungsratstitel besitzt, dessen sich der ihm unmittelbar vorgesetzte
Kustos Josef Folnescis nicht erfreut. […] Ritter hat sich eben über den Kreis
105 Zu den Regierungsjubiläen Kaiser Franz Josephs siehe: Blöchl, Kaisermythos; Blöchl, Kai-
sergedenktage; Blöchl-Köstner, Regierungsjubiläum; Danner, Regierungsjubiläum; Gros-
segger, Kaiser-Huldigungs-Festzug; Unowsky, Patriotism, 77–174.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken