Seite - 465 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Bild der Seite - 465 -
Text der Seite - 465 -
BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 465
diesem Fall die Intervention Thallóczys wahrscheinlich ist. Am 19. Februar
1891 legte Hodinka das Amtsgelöbnis ab und trat am 24. des Monats seinen
Dienst in der Fideikommissbibliothek an,114 der insgesamt fünfzehn Jahre
lang währen sollte. Nach der Ablegung der Abschlussprüfungen in „unga-
rische Diplomatik“ (Hauptgegenstand) sowie „ungarische Geschichte“ und
„slawische Philologie“ (Nebengegenstände) an der Universität Budapest
wurde Hodinka am 16. Mai 1891 zum Doktor der Philosophie promoviert;115
nach Ablauf des Probejahres ernannte ihn Generaldirektor Mayr am 22. Fe-
bruar 1892 zum dritten Skriptor der Fideikommissbibliothek.116
Aufschlussreich sind drei Briefe von Ludwig von Thallóczy vom 2. März
1891 und vom 16. Mai 1893. Sie belegen, dass er Hodinka sehr nahestand
und auch zu Zhishman und Karpf freundschaftliche Kontakte pflegte. Es
geht in den Schreiben jeweils um die angeschlagene Gesundheit Hodinkas,
die ihn zeitweise arbeitsunfähig machte. Der vom späteren Generaldirektor
Chertek gegenüber Hodinka gehegte Verdacht, er wäre arbeitsunwillig (s.
u.), war deshalb möglicherweise unbegründet. Thallóczy, der sich um sei-
nen Freund anscheinend sorgsam kümmerte, meldete diesen im März 1891
krank.117 Im Mai 1893 bat er sowohl Zhishman als auch Karpf, Hodinka zum
Antritt von mehreren Wochen Erholungsurlaub im Sommer und Herbst des
Jahres zu überreden.118
Anfang Juni 1895 stellte der ungarische Historiker und Titularbischof
Vilmos Fraknói das Ansuchen, Hodinka zwischen November 1895 und Mai
1896 ein halbes Jahr beurlauben zu lassen, damit dieser am Ungarischen
historischen Institut in Rom forschen könne. Fraknói war jüdischer Her-
kunft, aber bereits früh zum Katholizismus konvertiert. Er selbst hatte das
Institut in Rom gegründet und konnte bereits auf eine dreißigjährige aka-
demische Karriere zurückblicken.119 Da er wie Thallóczy Mitglied der Unga-
rischen Akademie der Wissenschaften war, ist anzunehmen, dass die Emp-
fehlung Hodinkas für den Forschungsaufenthalt erneut über diesen Kontakt
erfolgt war. Es muss jedenfalls auch Interventionen bei höheren Stellen ge-
geben haben. Denn Karpf hatte die Beurlaubung Hodinkas eigentlich abge-
lehnt, mit der Begründung, dass dessen Arbeitskraft unter den damaligen
Verhältnissen für so lange Zeit nicht entbehrt werden könne, vor allem auch
mit Blick auf eine bevorstehende Übersiedlung der Sammlung. Am 12. Ok-
114 Ebenda, fol. 11r.
115 Ebenda, fol. 16r.
116 FKBA33106.
117 FKBA33038.
118 FKBA34027.
119 ÖBL, Bd. 1 (1957) 41; Bernath, Biographisches Lexikon, Bd. 1 (1974) 335–336.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken