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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 467 -
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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 467 zu unterlassen.124 Ein Aspekt muss zum besseren Verständnis der ganzen Affäre jedoch noch hervorgehoben werden. Zum einen wurde die erste An- frage von Direktor Pidoll an Karpf im Oktober 1901 mit der Einschränkung gestellt: „bevor ich einen diesbezüglichen Antrag der höheren Behörde un- terbreite“.125 Dieser Passus ist in dem Schreiben mit Rotstift unterstrichen, wohl nachträglich und von Karpf selbst. Möglicherweise sah er sich deshalb damals nicht genötigt, Meldung an die Generaldirektion zu erstatten und sich weiter um die Sache zu kümmern. Dass es nicht Eigenmächtigkeit, son- dern Nachlässigkeit war, die für das Verhalten Karpfs ausschlaggebend war, erhellt auch aus den Bemerkungen des zuständigen Referenten in der Gen- realdirektion, des Hofsekretärs Anton Janka. Dieser war dem Bibliothekslei- ter anscheinend gewogen und verteidigte ihn damit, „daß Dr. Karpf nur in übergroßem Eifer und in seiner bekannten Unbeholfen- heit es unterlassen hat, der beabsichtigten Verwendung Hodinka’s zuzustim- men, ohne hierüber zuvor hieher eine Meldung zu erstellen, bez. um die h[ier] o[rtige] Genehmigung zu bitten, wobei er auch von der Ansicht geleitet sein mochte, daß die außer den Amtsstunden stattfindenden Vorlesungen als eine die amtliche Thätigkeit und die Stellung Hodinka’s nicht tangierende Angele- genheit der höheren Genehmigung nicht unterliegen.“126 Am 13. Juni 1903 polterte Chertek gegenüber Karpf, dass er den Skriptor Hodinka bei seinen wiederholten Besuchen in der Bibliothek niemals ange- troffen und dass sich dieser, wie ihm von dem mit der Beaufsichtigung der Übersiedlung der Fideikommissbibliothek betrauten Regierungsrat Janka bestätigt wurde, nicht an den diesbezüglichen Arbeiten beteiligt hätte. Der Bibliotheksleiter wurde deshalb aufgefordert, einen Rechenschaftsbericht darüber abzulegen, inwiefern Hodinka die Dienstzeiten einhielt und seinen Verpflichtungen nachkam. Die Anschuldigungen und Verdächtigungen des Generaldirektors waren nicht ganz unbegründet;127 das Verhalten Hodinkas 124 FKBA36110, fol. 7v. 125 FKBA36110, fol. 2v. 126 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 535, Z. 3337 ex. 1902. 127 Dem Akt (FKBA36191) liegt ein Telegramm Thallóczys vom 17.07.1903 bei, in dem er Karpf die Ankunft Hodinkas in Budapest mitteilt und für dessen Beurlaubung dankt (fol. 5r); weiters ein Brief Hodinkas an Karpf vom 11. September 1903, in dem er um eine zweiwöchige Verlängerung seines Urlaubs bittet, da „der Arzt mir sehr ans Herz gelegt hatte, dass ich wenigstens 8 Wochen meiner Gesundheit opfere“ (fol. 6r). Am 7. Oktober traf Chertek Hodinka bei einer neuerlichen Visite in der Fideikommissbibliothek wieder nicht an; er wurde daraufhin von Karpf wegen Zuspätkommens ermahnt und musste eine schriftliche Rechtfertigung an die Generaldirektion verfassen (fol. 8r u. 9r). Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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