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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 469
ter den geschilderten Umständen aber wohl allzu verständlich. Es war nun
nur mehr eine Frage der Zeit bzw. der Gelegenheit, bis er eine seinen Quali-
fikationen und seinem Niveau angemessene Anstellung finden und aus der
Fideikommissbibliothek austreten würde.
Denn beides war anscheinend auch von Generaldirektor Chertek gewollt
und wurde von diesem gefördert. Ende des Jahres 1904 wandte sich näm-
lich Sektionschef Thallóczy an Chertek mit der Mitteilung, „dass Hodinka im
zweiten Semester des Jahres 1904/05 als Supplent eines beurlaubten und im
Schuljahr 1905/06 in Pension gehenden Professors [an der Rechtsakademie
in Pozsony/Preßburg, heute Bratislava] wirken soll“ und dass seine Ernen-
nung zum Privatdozenten an der philosophischen Fakultät der Universität
Budapest im Gange wäre. Laut Thallóczy hatte Chertek davor „die Güte, mir
die Obsorge zu überlassen, alle jene Modalitäten zu fördern, welche geeig-
net sind eine anderweitige Verwendung des jetzigen Scriptors Dr. Anton Ho-
dinka zu beschleunigen.“ Die „Privatdocentur sammt der [zu] absolvirenden
Supplentur bieten dann die Handhabe, dass Dr. Hodinka eventuell schon im
September des Jahres 1905 in Pressburg, vorausgesetzt, dass Euer Excel-
lenz auch beim Unterrichtsministerium gütigst intervenieren, zum Nachfol-
ger des abgehenden Ordinarius ernannt werden könnte.“131 Nach Erlangung
der Dozentur war Hodinka verpflichtet, innerhalb von drei Semestern eine
zweistündige Vorlesung im Ausmaß von zehn Tagen an der Universität Bud-
apest abzuhalten, weswegen er seinem Gesuch auch eine Bewilligung seiner
vorgesetzten Behörde wegen Freistellung zu diesem Zweck beilegen musste.
Chertek hatte dies bereits Ende April des Jahres 1904 genehmigt.132
Am 10. Juli 1905 meldete Thallóczy, dass Hodinka an der Universität Bu-
dapest bereits habilitiert worden war und dass er „für die Professur an der
Pressburger Rechtsakademie sowohl von Seite des dortigen Professoren-Col-
legiums, wie auch vom Referenten des k. u. Unterrichtsministeriums nicht
nur in Aussicht genommen worden [ist], sondern es wurde die Berufung zu-
gesagt.“ Die Angelegenheit sollte laut Thallóczy spätestens Ende 1905 er-
ledigt sein, je nachdem ob Hodinkas Vorgänger „noch ein Ehren-Semester
gestattet wird.“133 Franz von Hawerda-Wehrlandt, Stellvertreter Cherteks
in der Generaldirektion, merkte dazu an, dass die „nicht erfolgte Anzeige
Hodinka’s über seine Habilitierung […] eine formelle Verletzung des Dienst-
verhältnisses“ wäre, wollte dies aber nicht „bei dem h[ier]a[mtlich] vorhan-
131 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 536, Z. 4616 ex. 1904: undatiertes Schreiben
Thallóczys an Chertek, präsentiert am 29.11.1904.
132 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 536, Z. 1641 ex. 1904.
133 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 536, Z. 2582 ex. 1905: Schreiben Thallóczys an
Chertek vom 10.07.1905.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken