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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM470
denen Streben nach einer ruhigen und reinlichen Scheidung von ihm […]
zum Anlasse irgend einer Correctur – etwa gar disziplinären Charakters! –“
nehmen.134
Die weitere Entwicklung gestaltete sich jedoch komplizierter und reibungs-
voller, als dies Thallóczy vorausgesehen hatte. Zunächst musste Hodinka im
ersten Semester des Jahres 1906 eine Vertretung im Fach „ungarische Ge-
schichte“ an der Rechtsakademie in Preßburg übernehmen, da der zuständige
Ordinarius zwar bis Ende des Studienjahres noch im Amt bleiben, seine Vor-
lesungen aber nicht mehr abhalten würde. Um diese Aufgabe erfüllen zu kön-
nen, erhielt er von der Generaldirektion, wieder mit Unterstützung Thalló-
czys, Urlaub bis Ende Juli. Die vakant werdende Professorenstelle sollte
jedoch öffentlich ausgeschrieben werden. Laut Thallóczy hätte Hodinka bei ei-
ner Vorstellung vor dem Professoren-Kollegium in Preßburg zwar einen guten
Eindruck gemacht, für die Sicherstellung seines Erfolges wäre jedoch die „mo-
ralische Hilfe“ Cherteks notwendig; und Thallóczy kündigte an, „persönlich
bei Eurer Excellenz vor[zu]sprechen, um die Modalitäten jener moralischen
Unterstützung vorzutragen, welche die Ernennung Hodinkas entscheiden
dürfte.“135 Ob dieses Treffen jemals stattgefunden hat und um welche „Moda-
litäten“ der Intervention es sich handelte, geht aus den Akten nicht hervor.
In seinem Antwortschreiben vom 26. März 1906 – das Konzept dazu stammt
allerdings von Hawerda-Wehrlandt – hatte Chertek jedenfalls „meine Bereit-
willigkeit aus[gesprochen], die zur Förderung dieses Zweckes zu unterneh-
menden Schritte im Bereiche des mir Möglichen zu unterstützen.“136
Am 22. Juni 1906 berichtete Thallóczy, dass Hodinka wegen seiner zu-
friedenstellenden Vorlesungstätigkeit an der Rechtsakademie in Preßburg
zwar einstimmig von deren Professorenkolleg zur Ernennung zum Professor
vorgeschlagen worden wäre, dass aber der ungarische Kultusminister Graf
Apponyi dennoch einen Konkurs anlässlich der Nachbesetzung der Stelle
ausschreiben lassen wollte. Das wiederum wollte Thallóczy unbedingt ver-
hindern, was seiner Meinung nach aber nicht „ohne hohe, vielleicht Aller-
höchste Intervention“ möglich wäre.137
Das Schreiben des Sektionschefs wurde in der Generaldirektion gar nicht
gut aufgenommen. Zunächst deshalb, weil es nicht an Generaldirektor Cher-
tek selbst, sondern an dessen Stellvertreter Franz von Hawerda-Wehrlandt
134 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 536, Z. 2582 ex. 1905.
135 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 375 ex. 1906: Schreiben Thallóczys an
Chertek vom 18.01.1906.
136 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 932 ex. 1906.
137 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., Kt. 357, Z. 2446 ex. 1906: Thallóczy an Hawerda-Wehr-
landt v. 22.06.1906.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken