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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 477 -
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Seite - 477 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung

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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 477 rakterisiert: „aus dem Anklagenden ist der Bibl. Leiter zu dem sich Verant- wortenden geworden.“ Wenngleich die Schuldfrage bei kritischer Prüfung der geschilderten Einzelheiten meines Erachtens keineswegs eindeutig zu entscheiden ist, stand Karpf also zuletzt als Sündenbock da. Dass es so kommen musste, hat eine ganze Reihe miteinander zusammenhängender Gründe. Zunächst war wohl anfangs wirklich niemandem in der Bibliothek klar, um welche Art von Publikation es sich handelte; und das muss wohl auch an mangelnden oder irreführenden Informationen von Seiten des Ver- lags gelegen haben. Zweitens ist augenscheinlich, dass das Verhalten und die Kommunikation der Mitarbeiter Karpfs gegenüber ihrem Vorgesetzten nicht gerade von Respekt geprägt waren. Es herrschten, wieder nach Hawer- das Diktion, „die allerdings längst bekannten anarchistischen Zustände im Beamtenkörper der Fam. Fid. Bibliothek“. Unter diesen Umständen ist es denkbar, dass Karpf ohne näheres Wissen seine Zustimmung zu einer nach seiner damaligen Einschätzung unbedenklichen Veröffentlichung gab. Auch der Trubel und die zusätzlichen Belastungen, die die im vorliegenden Kon- text immer wieder erwähnte Übersiedlung des Jahres 1903 mit sich brachte, mögen das ihre dazu beigetragen haben, dass die unglückliche Entscheidung getroffen wurde. Diese allein hätte ohne die panische Reaktion Karpfs aber wohl gar keine Konsequenzen gehabt. Und die Eigenart und die Tendenz dieser Konsequenzen hingen schließlich von der Struktur und der Dynamik des psychosozialen Gefüges zwischen den beteiligten Personen ab: Während Karpf die Aussagen seiner Mitarbeiter getreu und naiv weiterleitete, ohne sie zu bewerten, und außerdem für sie belastende Details verschwieg, ist die illoyale Tendenz im Verhalten jener (v. a. Schnürers) gegenüber ihrem Vorge- setzten kaum zu verkennen. Der Umstand, dass Schnürer das Vertrauen von Generaldirektor Chertek genoss und Einfluss auf diesen nehmen konnte, verlieh seiner Argumentation natürlich den nötigen Rückhalt. Im Gegensatz dazu schwächte die Abneigung Cherteks gegenüber Karpf dessen Position erheblich, zumal dieser mit großer Unsicherheit darauf reagierte. Letztend- lich muss man im Hinblick auf die vorliegende Angelegenheit feststellen, dass die Untersuchung nicht fair abgelaufen ist. Schnürer hatte gegen seine Instrumentalisierung als Autor offensichtlich nichts unternommen, wurde aber dafür nicht zur Rechenschaft gezogen, obwohl damit nicht nur ein Miss- brauch seines Namens, sondern auch jenes der Bibliothek und die Nennung eines falschen Titels verbunden waren („Bibliothekar der Allerh. Privatbib- liothek Sr. Majestät des Kaisers von Österreich“).160 160 Bemerkenswert ist außerdem, dass Karpf in seinem Bericht vom 04.05.1906 (vgl. Anm. 159) lediglich angibt, dass Jureczek aussagte, kein Gehalt erhalten zu haben. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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Bibliothek
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