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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 479 -
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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 479 leistung begründet wäre“.165 Zur Bestellung Schnürers als Nachfolger Karpfs muss noch angemerkt werden, dass in Bezug darauf im entsprechenden Akt zunächst die Rede davon war, ihn „mit der einstweiligen Leitung der Bib- liothek zu betrauen“. Diese Formulierung wurde jedoch – wohl auf Geheiß Cherteks – durchgestrichen und ersetzt durch: „zum Custos u. Leiter dieser Bibliothek zu ernennen“. Die „außerordentlichen Aufregungen“, die Karpf zu seinem Gesuch um Pensionierung bewogen, waren nicht allein durch die Publikation der „Frauen schönheiten“ bedingt, sondern bezogen sich auch auf einen Dieb- stahl in der Fideikommissbibliothek, der sich im Sommer 1906 ereignete. Auch diese Geschichte, deren Folgen zweifellos gravierender waren, ist wert, im Detail nachgezeichnet zu werden. Die Hauptfigur des Skandals war ein gewisser Matthias Scherr, der am 1. Oktober 1892 als Aushilfsdiener mit einem Gehalt von einem Gulden pro Tag in die Fideikommissbibliothek angestellt wurde.166. Die ökonomischen Verhältnisse Scherrs waren mit dieser Entlohnung anscheinend ziemlich prekär. Da er über keinerlei Vermögen verfügte, geriet er durch die schwere Erkrankung und den Tod seiner Frau (die davor übrigens beruflich tätig gewesen war und dabei einen höheren Tagessatz bezogen hatte als Scherr selbst) 1895 in Verschuldung. Karpf beantragte eine Unterstützungszahlung von 100 fl., Chertek gewährte 60. 1898 wurde die Auszahlung von 50 fl. aus Scherrs Gehalt gerichtlich gepfändet, da er mit diesem Betrag bei der Be- zahlung der Alimente an seine minderjährige Tochter in Rückstand gera- ten war, die mittlerweile der Beaufsichtigung durch Scherr enzogen und der Fürsorge eines Vormundes unterstellt worden war. Karpf ließ sich daraufhin von Scherr über dessen Schuldenstand informieren und erteilte ihm eine Verwarnung.167 Sechs Jahre später wurde Scherr erneut auf Zahlung von 100 K geklagt, sein Schuldenstand betrug damals insgesamt 574 K Gene- raldirektor Chertek verfügte, dass „die jetzt sich als nothwendig darstellen- den Verfügungen von der Bibliotheks-Leitung zu treffen sein werden“, und merkte an, „dass mit Rücksicht auf die Familie des Genannten und seine bisherige gute Verwendung, von der Entfernung desselben aus dem Dienste nur dann abge- sehen werden sollte, wenn die Leitung [der Fideikommissbibliothek] die volle 165 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5., Kt. 537, Z. 2169 ex. 1906; Karpf erhielt 88 % seiner Aktivbezüge, umgerechnet 5.280 K., die von der k. u. k. Privat- u. Familien- Fonds- Kassa ausbezahlt wurden. 166 FKBA33148. 167 FKBA35140. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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