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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM494
Bibliotheksleiter gewohnheitsmäßig vollzogen wurden (vgl. Abschnitt 2).
Schließlich enthält der „Entwurf“ noch Angaben zur jährlichen Reinigung
der Bibliotheksräumlichkeiten, zum Ausmaß und zu den Bedingungen des
Urlaubsanspruches der Mitarbeiter und zu spezifischen Verhaltensmaßre-
geln. Diese letzteren betrafen die im Diensteid kodifizierten Sorgfalts- und
Verschwiegenheitspflichten, private und nebenberufliche Tätigkeiten sowie
Besuche Außenstehender in der Sammlung und Ausgänge während der
Amtsstunden, welche allesamt vom Vorstand genehmigt werden mussten.
Insgesamt kann Schnürers „Dienstes-Instruktion“ auch als Handhabe zur
Kontrolle und Disziplinierung der Mitarbeiter verstanden werden.
Vize-Generaldirektor Franz von Hawerda-Wehrlandt meinte, dass „zu
diesem Entwurf […] wohl einige Bemerkungen zu machen“ wären und bat
seinen Chef, ihm nach der „vorläufigen h[ohen] Lesung […] Gelegenheit zu
diesen Bemerkungen zu geben.“ Er war also offensichtlich mit verschiedenen
Punkten und Formulierungen nicht einverstanden. Wie sich die Angelegen-
heit unmittelbar danach weiterentwickelte, ist aus dem Akt der General-
direktion nicht ersichtlich. Als aber Hawerda im Sommer 1910 selbst zum
Generaldirektor aufstieg, ließ er den „Entwurf“ wie viele andere Denkschrif-
ten Schnürers „ad acta“ legen.
Personalveränderungen 1910–1913
Anfang des Jahres 1910 beantragte Alfred Merz seinen Austritt aus der
Fideikommissbibliothek, da er eine Berufung als Abteilungsvorstand des In-
stitutes für Meereskunde in Berlin und einen Lehrauftrag an der dortigen
Universität mit Dienstbeginn am ersten April des Jahres erhalten hatte. Für
diese Entscheidung, die für Merz nicht nur die Ausübung des Fachgebietes
seiner akademischen Ausbildung, sondern auch einen respektablen Karriere
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sprung mit materiellen Zugewinnen bedeutete, hatte Schnürer vollstes Ver-
ständnis. Für seine Nachfolge bewarben sich sieben Personen; die General-
direktion entschied sich für den k. u. k. Kabinetts-Registratur-Adjunkten
Rudolf Payer von Thurn. Dieser wurde allerdings nicht als Skriptor einge-
stellt, welche Position durch den Austritt von Merz eigentlich freigeworden
war, sondern gleich „auf Grund Allerhöchster Ermächtigung […] zum Custos
extra statum mit den Bezügen der VIII. Rangsklasse ernannt“.214
Weitere Veränderungen im Personalstand gab es bereits ein Jahr später:
Infolge seines schlechten Gesundheitszustandes – laut ärztlichem Attest in-
folge einer beginnenden Arteriosklerose – bat Johann Jureczek um Verset-
zung in den dauerhaften Ruhestand. Der Grund, warum er diesen seit län-
214 FKBA38195, fol. 4r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken