Seite - 498 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM498
Bestandsentwicklung von 1878 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges zu
charakterisieren, genügt es also, sich einen Überblick über die Quellen zu
den Ankäufen und Schenkungen sowie zu den für den Kaiser bestimmten
Widmungsexemplaren zu verschaffen und die Modalitäten dieser Prozesse
zu analysieren.
Es soll im Folgenden nicht darum gehen, die Entwicklung der Bestände
in einzelnen Disziplinen und Kategorien zu verfolgen. Das hat mehrere
Gründe. Zum einen war die Fideikommissbibliothek nach wie vor eine
Universalbibliothek, obwohl sie diesem Anspruch in punkto Vollständig-
keit aus naheliegenden Gründen immer weniger gerecht werden konnte.
Wenn in manchen Gebieten auch bedeutende Zuwächse erfolgten, so hatte
dies, wie sich in den nachfolgenden Ausführungen anhand mancher Fall-
beispiele erweisen wird, eher zufällige Gründe und war nicht das Ergeb-
nis einer gezielten Erwerbungspolitik. Erst kurz vor 1900 wurde ein „Re-
gulativ“ für den Ankauf formuliert, das eine rigide Einschränkung auf die
inhaltlichen Schwerpunkte „Haus Habsburg“ und „Österreichisch-ungari-
sche Monarchie“ vorsah. Der vom Skriptor und späteren Direktor Franz
Schnürer betriebene Plan, die Fideikommissbibliothek in eine reine Habs-
burgersammlung umzuwandeln, wurde aber nie ernsthaft umgesetzt. Der
theoretische Diskurs, der darüber geführt wurde, und die Frage, inwieweit
die Sammlung eine entsprechende Ankaufspolitik betrieb, sollen aber erst
weiter unten in einem anderen Kontext ausführlicher besprochen wer-
den (vgl. Abschnitt 3.1.1 und Abschnitt 3.2.2). Im vorliegenden Abschnitt
geht es lediglich um die allgemeinen Mechanismen des Bestandszuwach-
ses. – Ein zweiter Grund dafür, warum kein Versuch einer quantitativen
Erhebung über die Entwicklung der inhaltlichen Verteilung der Bestände
unternommen werden soll, liegt darin, dass aus der Zeit nach 1900 keine
systematisch geordneten Verzeichnisse vorliegen, die als Grundlage dafür
hätten dienen können. Moritz Alois von Beckers in den 1870er Jahren er-
stelltes Katalogwerk, das mit seiner ausgereiften Klassifikation der in der
Sammlung vertretenen Disziplinen Zeugnis von deren universeller Ausrich-
tung ablegen kann, steht erst am Beginn der in diesem Beitrag behandel-
ten Periode. Eine Neubearbeitung dieses systematischen Kataloges wurde
aber in späterer Zeit niemals mehr unternommen. – Der dritte Grund
schließlich, weshalb eine Analyse der Bestandszuwächse nach Disziplinen
zwecks Ableitung von Erwerbungsstrategien nicht angebracht erscheint,
wiegt am schwersten. Er beruht auf den oben erwähnten drei Arten, auf
welche Werke in die Fideikommissbibliothek gelangen konnten, und v. a.
auf dem quantitativen Verhältnis der Bestände zueinander, die jeder die-
ser „Erwerbungskategorien“ jeweils zugeordnet werden können. Um von
einer aktiven Sammlungspolitik sprechen zu können, muss man ja jeden-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken