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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 519
Daneben wurde es unter Karpf aber durchaus wieder üblich, Gratiszu-
wendungen an die Fideikommissbibliothek anzunehmen, und zwar in An-
lehnung an den Präzedenzfall des Freiherrn von Helfert. In den erhaltenen
Konzepten der Empfangsbestätigungen wird nämlich stets darauf hinge-
wiesen, dass diese Zuwendungen „im kurzen Wege, d. I. nicht als Widmung
an Seine k. und k. apostolische Majestät“ erfolgt wären.300 Mitunter kam es
dann auch vor, dass ein Offerent durch diesen Hinweis auf den Geschmack
kam, den Behördenweg bis zum Oberstkämmereramt zu durchlaufen, um
die „Annahme“ durch den Kaiser zu erwirken.301
Aus einigen Akten geht außerdem hervor, dass bereits die Schenkung
von Werken an die Fideikommissbibliothek für deren Autoren Prestigewert
besaß und dass diese darin so etwas wie die unbürokratische „Light-Vari-
ante“ der „Annahme“ durch den Kaiser sahen. Erwähnenswert ist in dieser
Hinsicht der Textilfabrikant Franz Bujatti, der der Fideikommissbibliothek
eine Festschrift anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Seiden- und Woll-
trocknungs-Anstalt in Wien, der er als Präsident vorstand, zum Geschenk
machte. Für ihn intervenierte der Präsident der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften, Alfred von Arneth, bei Karpf mittels eines vom Universi-
tätsarchivar Karl Schrauf verfassten Briefes:
„[Karpf möge Bujatti ein] in schmeichelhaften Ausdrücken abgefasstes Dank-
und Empfangsschreiben zukommen lassen. Natürlich recht schön adjustiert,
oben links in der Ecke oder in der Mitte die Titulatur des Institutes – wo möglich
ein folio Bogen –; in dieser so zu sagen ja auch amtlichen Form genügt der Akt
des Entgegenkommens. Neben Ihrer Unterschrift etwa das Directions-Sigill
od. Stampiglie u. außen am Couvert wieder die gedruckten Zeichen der Prove-
nienz des Aktenstückes u. als Verschluß das Wachssigill der Direction.“302
Um diesem anmaßenden Begehren formell nachzukommen verfasste Karpf
ein ziemlich trockenes Dankschreiben, das sich kaum von den sonstigen Ant-
worten auf Gratiszuwendungen unterscheidet und natürlich auch den übli-
chen Passus zur Differenzierung der Art der Übergabe („auf kurzem Wege“)
enthält. Wie eine Anmerkung auf dem Konzept bekundet, war die Angele-
genheit „von Seiner Excellenz dem H. Oberstkämmerer zur Kenntnis genom-
men worden“.303
300 FKBA34176, FKBA35010, FKBA35017, FKBA35037, FKBA35050, FKBA35072,
FKBA35190, FKBA36080, FKBA37053.
301 FKBA35044, FKBA36013.
302 FKBA34158, fol. 1r–2r.
303 FKBA34158, fol. 3r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken