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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 519 -
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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 519 Daneben wurde es unter Karpf aber durchaus wieder üblich, Gratiszu- wendungen an die Fideikommissbibliothek anzunehmen, und zwar in An- lehnung an den Präzedenzfall des Freiherrn von Helfert. In den erhaltenen Konzepten der Empfangsbestätigungen wird nämlich stets darauf hinge- wiesen, dass diese Zuwendungen „im kurzen Wege, d. I. nicht als Widmung an Seine k. und k. apostolische Majestät“ erfolgt wären.300 Mitunter kam es dann auch vor, dass ein Offerent durch diesen Hinweis auf den Geschmack kam, den Behördenweg bis zum Oberstkämmereramt zu durchlaufen, um die „Annahme“ durch den Kaiser zu erwirken.301 Aus einigen Akten geht außerdem hervor, dass bereits die Schenkung von Werken an die Fideikommissbibliothek für deren Autoren Prestigewert besaß und dass diese darin so etwas wie die unbürokratische „Light-Vari- ante“ der „Annahme“ durch den Kaiser sahen. Erwähnenswert ist in dieser Hinsicht der Textilfabrikant Franz Bujatti, der der Fideikommissbibliothek eine Festschrift anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Seiden- und Woll- trocknungs-Anstalt in Wien, der er als Präsident vorstand, zum Geschenk machte. Für ihn intervenierte der Präsident der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Alfred von Arneth, bei Karpf mittels eines vom Universi- tätsarchivar Karl Schrauf verfassten Briefes: „[Karpf möge Bujatti ein] in schmeichelhaften Ausdrücken abgefasstes Dank- und Empfangsschreiben zukommen lassen. Natürlich recht schön adjustiert, oben links in der Ecke oder in der Mitte die Titulatur des Institutes – wo möglich ein folio Bogen –; in dieser so zu sagen ja auch amtlichen Form genügt der Akt des Entgegenkommens. Neben Ihrer Unterschrift etwa das Directions-Sigill od. Stampiglie u. außen am Couvert wieder die gedruckten Zeichen der Prove- nienz des Aktenstückes u. als Verschluß das Wachssigill der Direction.“302 Um diesem anmaßenden Begehren formell nachzukommen verfasste Karpf ein ziemlich trockenes Dankschreiben, das sich kaum von den sonstigen Ant- worten auf Gratiszuwendungen unterscheidet und natürlich auch den übli- chen Passus zur Differenzierung der Art der Übergabe („auf kurzem Wege“) enthält. Wie eine Anmerkung auf dem Konzept bekundet, war die Angele- genheit „von Seiner Excellenz dem H. Oberstkämmerer zur Kenntnis genom- men worden“.303 300 FKBA34176, FKBA35010, FKBA35017, FKBA35037, FKBA35050, FKBA35072, FKBA35190, FKBA36080, FKBA37053. 301 FKBA35044, FKBA36013. 302 FKBA34158, fol. 1r–2r. 303 FKBA34158, fol. 3r. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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