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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM526
dass die Entgegennahme der Gratiszuwendung umso selbstverständlicher
und unkomplizierter vonstatten ging, je höher die „gebende Institution“ in
der staatlichen Hierarchie verankert war.
Jene beiden Hofämter, die am meisten zur Vermehrung der Bestände
der Fideikommissbibliothek beitrugen, waren aus naheliegenden Gründen
die Generaldirektion der k. u. k. Familienfonde und das Oberstkämmerer-
amt: erstere als die der Sammlung vorgesetzte Behörde und Verwalterin des
Habsburg-lothringischen Privatvermögens, letzteres als Zensurstelle für die
Widmungen an den Kaiser und – zuweilen nach eigener Auffassung – als ge-
nerelle Annahmestelle für Gratiszuwendungen an die Fideikommissbiblio-
thek. Beide Hofämter betrachteten die Pflege und Erweiterung der Bestände
der Sammlung offensichtlich als zum Teil in ihre Kompetenz fallend.
Von der Generaldirektion der k. u. k. Familienfonde erhielt die Fideikom-
missbibliothek ab 1892 sowohl Schriftenreihen als auch Monografien.322
Über die Art des Erwerbs lässt sich in diesen Fällen zwar nichts Genaueres
aussagen; doch anscheinend wurden die Publikationen einfach unentgelt-
lich an die Sammlung weitergeleitet. In der Folge wurde auch der Bezug
eines Periodikums über die Buchhandlung Seidel & Sohn gekündigt, das
die Fideikommissbibliothek nunmehr durch die Generaldirektion erhielt.323
Außerdem übermittelte diese zahlreiche weitere Werke und Objekte an die
ihr unterstellte Sammlung, über die sie meist aufgrund ihrer Funktion als
Verwalterin des Habsburg-lothringischen Privatbesitzes verfügen konnte
und die Generaldirektor Chertek als geeignet für die Aufbewahrung in der
Fideikommissbibliothek betrachtete.324 Vom Oberstkämmereramt wurden
hingegen diverse aufwendige Publikationen für die Sammlung erworben,
322 FKBA33104 („Jahrbuch des österreichischen Volksschriftenvereins“), FKBA33116 („Blät-
ter des Vereins für Landeskunde“, „Urkundenbuch von Niederösterreich“ und „Topographie
von Niederösterreich“), FKBA34081, („Schriften des Vereines zur Verbreitung naturwis-
senschaftlicher Kenntnisse in Wien“), FKBA36153 („Lilienfeld 1202–1902 [...]“ von Paul
Tobner), FKBA36159 („Radmer. Gedenkblätter zur 300-Feier der Kirche“), FKBA37021
(„Phyto-Iconographie der Bromeliaceen [...]“).
323 FKBA34084, zu FKBA34081.
324 FKBA34016 (38 Porträts und Abbildungen), FKBA35203 (Pläne von Schlosshof),
FKBA35213 (mehrere, nicht näher genannte Kunstgegenstände), FKBA35251 („Wid-
mungsgedicht“ an Kaiserin Elisabeth, Prag, 24.12.1854, das im Nachlass der Kaiserin
aufgefunden wurde), FKBA36015 (Porträt des Kaisers von William Unger, das vom Un-
terrichtsministerium in Auftrag gegeben wurde und von dem der Kaiser eine nicht nä-
her spezifizierte Anzahl der Abzüge der Generaldirektion zur „Verwendung“ überließ),
FKBA36150 (Urkunde zum Banntaiding der Herrschaft Mollenburg und weitere histori-
sche Urkunden), FKBA37021 (69 Kupferstiche), FKBA37219 (Album fotografischer Ansich-
ten des „Achilleion“ auf Korfu).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken