Seite - 542 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM542
trätsammlung einbrachten.409 Die Modalitäten des Erwerbs reichten dabei
von Geschenken von privater und offizieller Seite über Dublettentausch, An-
kauf bei Kunsthändlern und Antiquaren bis zur Beteiligung an Auktionen
(Den Haag). Besonderes Engagement zeigte der k. k. Gesandte in Madrid,
Emanuel Graf Ludolf. Er vermittelte nicht nur Ankäufe, sondern stellte der
Sammlung auch eine Vielzahl von Bildnissen unentgeltlich zur Verfügung.
Durch seine Intervention erhielt die Fideikommissbibliothek außerdem Bild-
nisse aus der königlichen Privatbibliothek in Madrid zum Geschenk. Becker
fühlte sich daraufhin verpflichtet, um die Erlaubnis anzusuchen, Ludolf ge-
genüber den kaiserlichen Dank aussprechen zu dürfen.410
Abgesehen von diesen Neuzugängen über Vermittlung der k. u. k. Ge-
sandtschaften wurde die Porträtsammlung auch im Inland durch persön-
liche Interventionen seitens der Bibliotheksleitung und durch Ankäufe er-
gänzt und komplettiert. Im November 1882 bat Becker den Fürsten Johann
Adolf zu Schwarzenberg „gegen Erlag des Kostenpreises“ um ein Exemplar
des Werkes „Ahnen-Saal der Fürsten zu Schwarzenberg“, da sich „bei der
soeben beendeten Revision der genealogischen Abteilung der Porträtsamm-
lung […] herausgestellt [hatte], dass die Porträte der Mitglieder des fürstli-
chen Hauses Schwarzenberg nicht in der Vollständigkeit vertreten sind, als
es im Interesse der reichhaltigen über 200.000 Blatt zählenden Sammlung
wünschenswert ist.“ Der Fürst bedauerte, dass das Werk weder erhältlich
noch in überschüssigen Exemplaren vorhanden wäre, versprach jedoch, für
deren Erwerbung zu sorgen, sollte sich bei Verlassenschaften oder anderwei-
tig Gelegenheit dazu bieten.411 Fast dreißig Jahre später, im Februar 1911,
übersandte Erbprinz Johann Fürst von Schwarzenberg zehn Kupferstich-
porträts seiner „Ahnen“, die „nach in unserem Besitz befindlichen alten Plat-
ten neu gedruckt wurden.“412 Ob hier ein Zusammenhang mit der Anfrage
des Jahres 1882 bestand, ist ungewiß. Ähnliche Motive spielten auch eine
Rolle, als die Fideikommissbibliothek 1898 fotografische Reproduktionen der
Gemälde auf Schloss Neuhaus (Jindřichův Hradec, Tschechien), darunter
Porträts der Familie Czernin, erwarb.413 – 1884 erhielt die Porträtsamm-
lung Bildnisse der Klosterneuburger Pröbste Berthold Fröschl und Ubald
409 FKBA29051, fol. 15–19 (Rio de Janeiro), fol. 20–42 (Dresden), fol. 43–80 (Paris), fol. 81–
135 (Madrid), fol. 136–143 (Washington), fol. 144–171 (Den Haag). Siehe außerdem
FKBA30016, FKBA30024 und FKBA31081 zum Ankauf von Porträts bei Auktionen in
Amsterdam 1881 durch die Gesandtschaft in Den Haag.
410 FKBA29051, fol. 116r–v; weitere Korrespondenz zu Angeboten und Sendungen von Graf Lu-
dolf im Jahr 1881 unter FKBA30011, FKBA30023.
411 FKBA30074, 2r (Zitate) u. 5r–v.
412 FKBA39022, fol. 2r.
413 FKBA35175.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken