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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 547
„– so schwer es mir ankommt, die meiner Leitung anvertraute Bibliothek der
Gefahr einer Benachtheiligung auszusetzen – nicht verschweigen zu dürfen,
daß die Anzahl der in der Familien-Fideikommiß-Bibliothek sich ergebenden
Doubletten eine verschwindend geringe wäre im vergleich mit der Anzahl, die
sich aus den etwa zehnmal größeren Beständen der Hofbiblitohek ausscheiden
ließen.“434
Und somit gelangte die Bibliotheca Rossiana schließlich an die Hofbiblio-
thek.435
Während sich die Fideikommissbibliothek anscheinend kaum an Aukti-
onen beteiligte, nutzte sie den antiquarischen Buchhandel durchaus, um
an seltene und vergriffene Werke zu gelangen oder vorhandene, aber un-
vollständige mehrbändige Werke und Reihen zu komplettieren. Wenn auch
Käufe bei verschiedenen Antiquariaten bezeugt sind,436 so genoss doch der
Antiquar Franz Rohracher aus Lienz das besondere Vertrauen der Samm-
lung und erhielt deshalb die überwiegende Zahl der Aufträge zur Besorgung
von Büchern auf antiquarischem Weg zugesprochen. An Rohracher ergin-
gen außerdem jene zur Ausscheidung bestimmten Dubletten, die auf andere
Weise nicht veräußert werden konnten; und mitunter war es dem Antiquar
sogar erlaubt, persönlich in den Räumlichkeiten der Fideikommissbibliothek
Stücke aus dem Dublettenbestand für sich auszuwählen. Diesem Entgegen-
kommen entsprachen natürlich Konzessionen bei der Lieferung von Werken
seitens des Antiquars. Von den zahlreichen Besorgungen Rohrachers für die
Fideikommissbibliothek muss die Komplettierung der „Patrologia latina et
graeca“ explizit erwähnt werden. Die Bibliothek hatte im Jahr 1888 ein un-
vollständiges Exemplar dieses Werkes aus einem Nachlass erworben und
war danach bestrebt die fehlenden Bände (rund 180) antiquarisch anzukau-
fen. Rohracher gelang es bis März des folgenden Jahres diese zu günstigen
Kosten vollständig zu besorgen.437 – Eine weitere wichtige Erwerbung auf
antiquarischem Wege war der Ankauf eines vollständigen Exemplars der
„Leipziger illustrierten Zeitung“ (135 Bände), der im Jahr 1911 auf Betrei-
ben von Rudolf Payer von Thurn erfolgte. Dabei wurden zwei sich ergän-
zende Teilbestände der gesamten Reihe nach längeren Verhandlungen bei
zwei verschiedenen Leipziger Buchhändlern erworben.438
434 Ebenda, fol. 6r–v (Konzept von Rudolf Payer von Thurn).
435 Wien, ÖNB, Hausarchiv, 1816/1911, 232/1912, 399/1912, 77/1913. 1922 wurde die Biblio-
theca Rossiana allerdings zurück nach Rom transferriert und der Vatikanischen Bibliothek
einverleibt (vgl. Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 39 [1991], 198).
436 Beispielsweise durch FKBA30124 u. FKBA31013.
437 FKBA32005, FKBA320023 u. FKBA32042, fol. 1r–2r.
438 FKBA39062.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken