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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 548 -
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KAISERLICHES INSTITUT UND ERINNERUNGSRAUM548 Es gab natürlich auch immer wieder Angebote von Sammlerstücken, die direkt von privater Hand an die Fideikommissbibliothek herangetragen wur- den. Ein Beispiel für viele, das zugleich auch wegen seiner kulturgeschichtli- chen Dimension erwähnt zu werden verdient, ist die im Jahr 1888 zum Kauf angebotene Liederhandschrift des spätmittelalterlichen Dichters Oswald von Wolkenstein, die sich heute in der Universitätsbibliothek Innsbruck befin- det.439 Sie war seit ihrer Entstehung in den 1430er Jahren durchgehend im Besitz der Familie Wolkenstein gewesen; wohl Anfang des Jahres 1888 hatte sich der damalige Eigentümer, Arthur Graf Wolkenstein, entschlossen, den Codex zu veräußern. Wie Josef von Zhishman am 6. September 1888 mitteilt, wurde er „bereits vor mehreren Monaten […] in ganz vertraulicher Weise um den Preis von 4000 flor. der k. k. Familien-Fideicommissbibliothek zum An- kauf angeboten“. Die Erwerbung wurde vom Bibliotheksdirektor jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass er „außerhalb der für Neuanschaffungen und Vermehrung der Bibliothekbestände an dieser k. u. k. Bibliothek beste- henden Normen“ läge.440 Anscheinend drohte danach ein Verkauf der wert- vollen Handschrift in das Ausland. Im August 1888 hatte sich nämlich auch der Präsident der Zentralkommission für Kunst und historische Denkmale, Joseph Alexander von Helfert, „im Interesse der Erhaltung dieses für das Inland hochwertigen Literatur-Denkmals“ an die Fideikommissbibliothek gewandt, um „durch einen von derselben eingeleiteten Ankauf das Außer- landesgehen eines so wertvollen Schatzes zu verhindern.“441 Der Preis lag nun schon bei 12.000 Mark, und Zhishman war freilich auch diesmal nicht bereit, auf das Angebot einzugehen. Offensichtlich im Bewusstsein um die Relevanz der Angelegenheit und mit dem Glauben, ihr dadurch dienlich zu sein, leitete er die Eingabe Helferts jedoch an die Generaldirektion des Aller- höchsten Familienfonds am 21. Jänner 1889 weiter.442 Diese dürfte sie dem Kaiser unverzüglich zur Kenntnis gebracht und ihn dadurch zum Ankauf der Handschrift motiviert haben. Denn laut einer im Jahr 1903 erfolgten Mit- teilung ließ Franz Joseph der Universitätsbibliothek Innsbruck bereits am 23. Jänner 1889 durch das Unterrichtsministerium bekanntgeben, dass ihr der Wolkenstein-Codex zur Verwahrung übergeben werden würde.443 439 Innsbruck, Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULBT), Cod. s.n. (Wolkenstein-Hs./ Liederhandschrift B); vgl. http://manuscripta.at/hs_detail.php?ID=31384 (abgerufen am 04.02.2021). 440 FKBA32037, fol. 3r–v. 441 Ebenda, fol. 1r–v. 442 Ebenda, fol. 5r. 443 FKBA36211. Die Bekanntgabe dieser Information durch die Universitätsbibliothek Inns- bruck erfolgte zweifellos in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage der Fideikom- missbibliothek. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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