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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 549
Periodika, Fortsetzungswerke und Mitgliedschaften
Ein beträchtlicher Teil der Druckwerke, die die Fideikommissbibliothek
durch Kauf erwarb waren schließlich Fortsetzungswerke oder Periodika.
Die Zuwachszahl der ersteren lag bis zum Beginn des letzten Jahrzehnts
des 19. Jahrhunderts nur in zwei Jahren knapp unter 100, meist aber deut-
lich darüber. Danach verringerte sich die Menge der jährlich angekauften
Fortsetzungen. (vgl. Tabelle 1) Die Zahl der von der Fideikommissbibliothek
bezogenen Periodika gab Skriptor Franz Schnürer im Jahr 1900 mit 41 an.
Aus seinen Ausführungen im Hinblick auf das „Regulativ für den Ankauf
von Büchern und Porträten“ wird deutlich, dass die Fideikommissbibliothek
Werke dieser Art aus allen Wissensgebieten ankaufte. Der Zweck der Denk-
schrift war jedoch, diese Vielfalt für die Zukunft drastisch einzuschränken;
womit für jene Periodika und Fortsetzungswerke, die weiterhin erworben
werden sollten, das Prinzip zu gelten hatte, dass sie entweder einen Bezug
zum Haus Habsburg-Lothringen oder zu den Ländern aufzuweisen hatten,
die damals oder zu einem früheren Zeitpunkt von der Dynastie regiert wur-
den oder worden waren (vgl. Abschnitt 3.1.1). Ausnahmen sollten nur bei
lückenlos vorhandenen Reihen und Serien gelten, da Vollständigkeit bei die-
sen Werken eine Eigenschaft war, die den Wert erheblich steigerte.444
Nachdem Schnürer diese Vorschläge für eine restriktivere Ankaufspolitik
um die Jahrhundertwende unterbreitet hatte, kam es tatsächlich zu einer
drastischen Reduktion der von der Fideikommissbibliothek laufend abon-
nierten Periodika und Reihen. Am 19. Dezember 1900 wurde bei den Buch-
händlern Braumüller, Seidel, Gerold und Frick der Bezug von nicht weni-
ger als 33 Fortsetzungen und Zeitschriften eingestellt.445 Dies war die Folge
einer schriftlichen Ermahnung durch Generaldirektor Chertek, der bei der
„Einsichtnahme in die unterm 11. Dezember l. J. vorgelegte Consignation
über angekaufte Bücher und Porträts […] die bei diesen Käufen einzuhal-
tenden Grundsätze bisher nicht“ verwirklicht sah.446 Besonders pikant war
das Abonnement der Zeitschrift „Ver Sacrum“ der drei Jahre zuvor gegrün-
deten Wiener Secession, deren Bezug Chertek als „befremdlich“ qualifizierte.
Karpf rechtfertigte sich in einer Bleistiftnotiz damit, dass „die Zeitschrift Ver
sacrum […] im Jahre 1898 auf Anregung aus Künstlerkreisen im Wege der
Buchhandlung bestellt“ worden wäre.447
444 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 535, Z. 4350 ex. 1900: „Entwurf eines Regula-
tivs […]“, pag. 7–10.
445 FKBA36061, FKBA36062.
446 FKBA36057, fol. 2r.
447 FKBA36057, fol. 3r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken