Seite - 552 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM552
es mir nachfühlen können, wie schmerzlich es für dieselbe sein müßte, von den
Sendungen an die hohen deutschen Fürsten allein Sr. Majestät den Kaiser von
Österreich ausgeschlossen zu sehen, dessen erlauchter Vorfahr diese Akade-
mie gestiftet und an dessen eigene Allerhöchste Person die Akademie sich in
Folge unvergeßlicher Wohltaten durch die Bande der Pietät und ehrfurchts-
voller Verehrung geknüpft sieht.“457
Durch dieses Schreiben sah sich Becker anscheinend entwaffnet und be-
antragte bei der Kabinettskanzlei dem Wunsch Knoblauchs nachzugeben
und diese wie alle weiteren Sendungen mit einer Spende von 100 fl. aus der
kaiserlichen Privatkasse vergüten zu lassen. Am 4. Juli 1880 informierte
Kabinettsdirektor Braun Becker über die Kaiserliche Genehmigung dieser
Vorgehensweise, welcher sie seinerseits drei Tage später dem Präsidium
der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie mitteilte.458 Der geradezu ritu-
alisierte Prozess der Übergabe der Schriften dieser Institution ist von da an
alljährlich bis zum Jahr 1913 in den Akten des Archivs der Fideikommiss-
bibliothek lückenlos dokumentiert.459
Weitere Vereinsmitgliedschaften folgten bis zum Vorabend des Ersten
Weltkrieges. Im Juni 1887 trat Kaiser Franz Joseph persönlich der Goethe-
Gesellschaft in Weimar bei. Vorgesehen war zwar zunächst eine Mitglied-
schaft der Fideikommissbibliothek; diese wurde aber vermutlich deshalb
auf den Kaiser übertragen, weil nur er mit einer Einmalzahlung von 200
Mark Mitglied auf Lebenszeit werden konnte. Verbunden waren damit der
unentgeltliche Bezug des Goethe-Jahrbuches und die Erwerbung weiterer
Schriften der Gesellschaft zum Vorzugspreis, welche sämtlich in die Fidei-
kommissbibliothek gelangten.460
Am 11. November 1896 trat die Fideikommissbibliothek zusammen mit acht
weiteren österreichischen Bibliotheken (darunter die Hofbibliothek) dem „Ins-
titut international de Bibliographie“ in Brüssel bei.461 Dieses Institut, das nach
457 FKBA29066, fol. 2r u. 2v.
458 FKBA29066, fol. 9–16.
459 FKBA30026, FKBA36004, FKBA36122.
460 FKBA31096. Die Satzungen der Goethe-Gesellschaft und die Mitgliedskarte des Kaisers
liegen dem Akt bei.
461 Wiener Zeitung, Nr. 262 v. 11.11.1896, 4. Die Fideikommissbibliothek erhielt im Novem-
ber 1896 als neues Mitglied des „Institut international de Bibliographie“ zwei Schreiben,
mit denen ihr Name und Adresse des für Österreich zuständigen Sekretärs, Carl Junker
(1864–1928), und eine Eingabe an den Börsenverein der deutschen Buchhändler wegen
Herstellung gedruckter Katalogzettel, die von Verlegern Büchern beigelegt werden sollten,
mitgeteilt wurden (FKBA35053). Im Mai 1897 erhielt die Sammlung eine Einladung zur
zweiten internationalen bibliographischen Konferenz in Brüssel (FKBA35103).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken