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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM566
Inventargegenstände.511 Letzterer war nun berufen, den Bestand im Juli
1906 auf Vollständigkeit zu revidieren und kam zu dem Ergebnis, dass seit
1892 keine Abgänge zu verzeichnen waren und dass von den 1859 katalogi-
sierten Objekten nur 18 nicht mehr vorhanden waren, die aber in das dama-
lige Inventar „zum großen Teile mit Bemerkungen aufgenommen [worden
waren], welche sie zur Ausscheidung reif erscheinen lassen“.512 Auch in der
Kunstsammlung, deren wertvolle Bestände ebenfalls von Jurecezk selektiv
durchgesehen wurden, und in der Handschriften- und Inkunabelsammlung
wurden keine Verluste festgestellt. Der Generaldirektor zeigte sich mit die-
sem Resultat naturgemäß zufrieden, wünschte aber weitere Revisionen, „um
die Überzeugung zu gewinnen, ob das nunmehr ergänzte Inventar mit Beru-
higung als ein ‚vollständiges‘ bezeichnet werden kann.“513
Nach der Übernahme der Amtsgeschäfte als neuer Leiter der Samm-
lung hielt Schnürer „für die wichtigste, sachlich und in der Reihenfolge der
Durchführung erste Aufgabe […] eine Revision des gesamten Bestandes der
k. u. k. FKB an Büchern, Landkarten, Porträten, Kunstblättern, Adressen,
Bildern, Münzen und Wertobjekten der verschiedenen Art.“514 Dafür gab es,
wie bereits aus den bisherigen Ausführungen ersichtlich sein sollte, zwei we-
sentliche Gründe: Zum einen waren große Teile der Sammlung nur sehr un-
zureichend erschlossen; andererseits stimmten die Inventare von 1859 und
ihre jährlichen Zuwachsverzeichnisse aus verschiedenen Gründen (Abgänge
durch Verlust und Verkauf, Umbenennungen von Kunstblättern aufgrund
von Neubestimmung und Inventarisierung neuer Bücher anstelle von abge-
gangenen) nicht mit dem tatsächlichen Bestand und den Katalogen in der
Fideikommissbibliothek überein. Schnürer muss damals folgende Deside-
rata vor Augen gehabt haben: die Revision des Gesamtbestandes auf seine
Vollständigkeit bzw. im Hinblick auf die Vollständigkeit der Angaben in den
Katalogen; die Erstellung gleichartiger Inventare (Standortsrepertorien) für
alle Teilbestände; die Katalogisierung kaum erschlossener Bestände (Lava-
tersammlung); und schließlich die Erarbeitung eines Regulatives für die lau-
fende Ergänzung des Inventares, mit dem das Aufkommen von Ungereimt-
heiten unterbunden werden sollte.
Dass dies alles zumindest geplant war, geht aus einem Aktenkonvolut des
Jahres 1907 hervor. Es enthält das Konzept für einen Bericht Schnürers an
511 Pk-Sonderinventar, vgl. Anm. 500.
512 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 3022 ex. 1906: Bericht Jureczeks vom
01.08.1906; beigegeben ist ein Verzeichnis der 18 abgegangenen Inventargegenstände.
513 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 3022 ex. 1906: eigenhändige Ergänzung
von Emil von Chertek im Konzept des Erlasses vom 10.08.1906.
514 FKBA37180, fol. 1r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken