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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 569
dieser Arbeit wäre wohl möglich, würde aber, da natürlich der ganze bisherige
und gegenwärtige Bestand auf das ‚neue System‘ umgearbeitet werden müßte,
eine ganz unverhältnismäßige Menge an Arbeit für die – Jahre dauernde –
Übergangszeit erforderlich machen.)“523
Dieses Zitat leitet zum letzten Akt zum Thema „Katalogisierung“ vor dem Ers-
ten Weltkrieg über, dessen Erledigung – oder besser: Nicht-Erledigung – be-
zeichnend für den Stand ist, den man in der Fideikommissbibliothek bis dahin
erreicht hatte und von dem aus es anscheinend kein Weiterkommen gab.
Beim ersten Deutschen Bibliothekarstag, der im Mai 1912 in München
stattfand, wurde unter anderem die Frage der einheitlichen Katalogisierung
im deutschsprachigen Raum diskutiert. Gottlieb August Crüwell, Biblio-
thekar an der Universitätsbibliothek Wien, sollte dabei die österreichische
Position vertreten. Da er für diesen Zweck Informationen von den österrei-
chischen Bibliotheksvorständen benötigte, versandte er ein Rundschreiben,
in dem vier Fragen gestellt wurden: ob in der betreffenden Bibliothek nach
einer gedruckten Instruktion katalogisiert und ob diese auch in anderen
Sammlungen verwendet wurde; ob der Bibliotheksvorsteher eine einheitli-
che, bindende Katalogisierungsvorschrift für wünschenswert hielt und ob er
gegebenenfalls bereit wäre, in einer Kommission zur Erstellung derselben
mitzuarbeiten. Dieses Schreiben erging im März 1912 auch an die Fidei-
kommissbibliothek. Die Antworten Schnürers sind sehr aufschlussreich: Die
Katalogisierung der Sammlung würde „auf keiner Instruktion, sondern auf
Tradition“ beruhen. Die Frage der Zweckmäßigkeit einer einheitlichen In-
struktion wollte Schnürer nicht direkt beantworten, da ihm „in dieser Hin-
sicht die Erfahrung fehlt“; er meinte aber, „daß jede Katalogisierung [sich]
dem Spezialcharakter der betreffenden Bibliothek anpassen müsse, daß
also eine gemeinsame Instruktion nur für Bibliotheken gleichen Charakters
Sinn“ hätte. Dass Schnürer folglich auch kein Interesse hatte, an der Erstel-
lung einer solchen allgemeinen Instruktion mitzuwirken, ergibt sich damit
eigentlich schon von selbst.524
1.5 Räumliche Entwicklung
Vom Beginn des letzten Viertels des 19. jahrhunderts bis zum Ersten Welt-
krieg die Bestände der Fideikommissbibliothek dreimal vollständig und ein-
523 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 4681 ex. 1906: Denkschrift Schnürers
über die „Neusystemisierung des Beamtenstatus“ vom 04.04.1906, [pag. 8f.].
524 FKBA40039, fol. 1v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken