Seite - 574 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM574
Es dauerte von nun an aber weitere dreieinhalb Jahre, bis die tatsächliche
Übersiedlung der Fideikommissbibliothek in den Augustinergangtrakt er-
folgte. Möglicherweise war für diese neuerliche Verzögerung der Tod Be-
ckers im August 1887 ausschlaggebend. Die Angelegenheit taucht in den
Akten des Archivs jedenfalls erst wieder am 3. März 1890 auf. Unter die-
sem Datum wandte sich der neue Bibliotheksleiter Josef von Zhishman an
die Generaldirektion der habsburgischen Familienfonde mit der Bitte, dass
diese beim Obersthofmeisteramt als Ergänzung zu den der Bibliothek be-
reits zugebilligten Räumen des Münz- und Antikenkabinettes auch die zu-
künftige Nutzung des ehemaligen Mineralienkabinettes erwirkte. Dieses
befand sich im obersten Geschoß des Augustinergangtraktes, also direkt
neben den schon sicher für die Umsiedelung der Sammlung gewonnenen
Räumlichkeiten. Zhishman wollte auf der Grundlage dieser Erweiterung
die gesamte Fideikommissbibliothek in den Augustinergangtrakt übersie-
deln, um dieser dadurch ein in sich geschlossenes, kompaktes Raumgefüge
zu sichern.539 Die Genehmigung dazu wurde schließlich am 29. April 1890
erteilt, womit gleichzeitig die Aufgabe der bisherigen Räumlichkeiten der
Fideikommissbibliothek als Bedingung verbunden war.540 Die Direktion des
Münz- und Antikenkabinettes wurde daraufhin aufgefordert, die bisherige
Aufbewahrungsstätte ihrer Sammlungen bis zum 1. Juni 1890 zu räumen,
und Zhishman beantragte bei der Burghauptmannschaft verschiedene Ad-
aptierungsmaßnahmen in diesen Räumlichkeiten (Ausmalung, Beheizung,
Reparatur der Fenster, Durchbruch zweier Türen).541 Der Prozess der Über-
siedlung begann am 7. Juni 1890 und endete erst im November des folgen-
den Jahres; der Abschlussbericht dazu datiert vom 17. dieses Monats.542
Nach einem zuvor erstellten Plan wurden die zehn Räume der Enfilade im
Piano nobile des Augustinergangtraktes mit jeweils zusammengehörigen Be-
ständen der Sammlung befüllt.543 Die bereits vorhandenen Bücherkästen der
Fideikommissbibliothek am bisherigen Aufstellungsort blieben weiterhin in
539 FKBA33067, fol. 2r–3r.
540 FKBA33067, fol. 4r–5r (Abschrift einer Note des Obersthofmeisteramtes an die Generaldi-
rektion).
541 FKBA33067, fol. 6r–v.
542 FKBA33067, fol. 41–46; daneben existiert noch ein täglich geführtes Journal zum Über-
siedlungsvorgang dessen Einträge jedoch mit dem 24.06.1891 abbrechen, da an diesem Tag
die Adaptierungsarbeiten durch den Tischler Spale beendet wurden (ebenda, fol. 23–40 und
44r). Des Weiteren finden sich Details zur Übersiedlung in den Berichten des Kustos Wen-
zel Schaffer an den in den Monaten Juli und August (1891) im Urlaub befindlichen Direk-
tor Zhishman (FKBA32110, FKBA32111, FKBA32112, FKBA32113, FKBA32114).
543 Die einzelnen Räume sind ausführlich beschrieben in einem 33-seitigen Manuskript von
Alois Karpf: „Die k. u. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek […] Wien 1893“ (BAG, Autogra-
phen/A/30).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken