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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM576
ersuchen musste.551 Aus dem Antwortschreiben des Generaldirektors der
habsburgischen Familienfonde geht hervor, dass der finanzielle Aufwand für
die Umsiedlung und Neueinrichtung der Sammlung insgesamt die enorme
Summe von 23.124 fl. 23 kr. erfordert hatte, worunter auch eine vom Kaiser
genehmigte Remuneration für die Bibliotheksangestellten in der Höhe von
1.200 fl. mitinbegriffen war.552
1.5.2 Zweite Übersiedlung (1903)
Der Plan der Unterbringung der Fideikommissbibliothek im Unteren
Belvedere
Da die Erbauung der Neuen Burg den Abriss des Augustinerganges be-
dingte, war die erneute Übersiedlung der Fideikommissbibliothek nur eine
Frage der Zeit, was zuvor vom Obersthofmeisteramt stets auch immer be-
tont worden war. Bereits am 12. März 1894 richtete diese Hofstelle eine Note
an die Generaldirektion der k. u. k. Familienfonde, worin diese aufgefordert
wurde, „durch die betreffenden Fachorgane erheben und feststellen lassen
zu wollen, welche Veränderungen und Adaptierungen in dem unteren Bel-
vederegebäude mit Rücksicht auf dessen neue Verwendung [als Standort der
Fideikommissbibliothek] nothwendig sein werden.“553 Das von Prinz Eugen
erbaute und seit 1752 in habsburgischem Besitz befindliche Barockschloss
hatte von 1806 bis 1889 die Ambraser Sammlung beherbergt, die in diesem
Jahr wie alle übrigen kaiserlichen Kunstsammlungen in das neu errichtete
Kunsthistorische Hofmuseum am Ring überführt wurde.554 Bibliotheksdi-
rektor Zhishman, der mit der Begutachtung der für die Unterbringung der
Sammlung vorgesehenen Lokalitäten beauftragt wurde, war wenig begeistert
von dieser Lösung, sondern hegte „Bedenken […], welche in Anbetracht der
Verhältnisse jenes Gebäudes auch nach den besten Vorkehrungen nicht beho-
ben wären“.555 Undenkbar war für ihn jedenfalls eine Übersiedlung bis zum
Herbst des laufenden Jahres, wie sie vom Obersthofmeisteramt gefordert
wurde. Er schlägt stattdessen eine andere vorläufige Lösung vor: Der zu die-
sem Zeitpunkt bereits verstorbene Hofburgarchitekt Karl Hasenauer hätte
ihm versichert, dass für die Anbindung der neuen an die alte Hofburg nur
551 FKBA33160, fol. 1–3.
552 FKBA33160, fol. 4r; zur Sonderzahlung für das Bibliothekspersonal siehe FKBA33032.
553 FKBA34098, fol. 2v–4r.
554 Die Übersiedlung der Ambraser Sammlung begann im Frühjahr 1889 und war gegen Ende
des Jahres 1890 anscheinend abgeschlossen. Vgl. Lhotsky, Sammlungen, 612 und 618f.
555 FKBA34098, fol. 6r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken