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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM580
chersammlung und Neusignierungen zur Folge gehabt hätte.562 Selbst nach
dieser Maßnahme, die einen erheblichen Eingriff in die bauliche Substanz
des Barockschlosses bedeutet hätte, wären nach Jureczeks Berechnungen
20,47 m2 zu wenig an Wandfläche zur Verfügung gestanden (1.364,56 m2 an-
stelle von 1.385,03 m2). Außerdem müsste man dieses Defizit Karpf zufolge
deutlich nach oben zu korrigieren, um die bestehende mehrreihige Aufstel-
lung mancher Buchbestände auflösen zu können und für die zu erwarten-
den Zuwächse der nächsten Jahre Platz zu schaffen. Dazu sollten weitere
Räume im Unteren Belvedere, die damals als Dienstwohnung dienten und
noch nicht für die Fideikommissbibliothek vorgesehen waren, ebenfalls für
diese adaptiert werden.563 Karpf scheint von dieser Lösung aber alles andere
als überzeugt gewesen zu sein. In einem zweiten Teil des Gutachtens, der
im Konzept aus verschiedenen ausgeschnittenen und eingeklebten Absät-
zen zusammengestückelt ist, äußert er massive Bedenken, dass das Raum-
problem im Unteren Belvedere auf längere Zeit gelöst sein würde.564 Hier
spielte zweifellos der Umstand eine Rolle, dass die bisherige Geschichte der
Fideikommissbibliothek von ständiger Platznot geprägt war. Weitere Kri-
tikpunkte waren für Karpf der Steinboden im Unteren Belvedere, der durch
Parkett ersetzt hätte werden müssen, und die durch die geplante Zentral-
heizung erreichte Raumtemperatur, die mit durchschnittlich 13° R[éaumur]
(ca. 16° C) für Arbeitsräume zu gering und auch vom konservatorischen
Standpunkt bedenklich gewesen wäre (Feuchtigkeitsschäden).565 Die Kosten
für die Übersiedlung wurden aufgrund von Hochrechnungen der Daten zu
den vorhergegangenen Umzügen mit 32.742 fl. 30 kr. angegeben; ihre Dauer
sollte laut Gutachten eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Folgearbeiten
(Umsignierung, Korrektur und Neuverfassung der Kataloge) hätten laut
Karpf noch zwei bis drei weitere Jahre in Anspruch genommen.566
Als Erwiderung auf diese Einwände wurde nach Veranlassung durch das
Obersthofmeisteramt ein Gegengutachten vom Schlossinspektor des Bel-
vederes, Eduard Henrich, erstellt, der für die baulichen Adaptierungsmaß-
nahmen zuständig war.567 Darüber hinaus erstellte das Hofbaudepartement
noch ein weiteres Schriftstück, in dem im Grunde die Gegendarstellung
Henrichs nur zusammenfassend wiederholt wird.568 Offensichtlich ging es
darum, diesen Argumenten möglichst viel Gewicht zu verleihen. Wie Hen-
562 FKBA34098, fol. 15v–16r, 16v–17r u. 18r.
563 FKBA34098, fol. 16r–17v.
564 FKBA34098, fol. 20v–21v.
565 FKBA34098, fol. 19v u. 20v.
566 FKBA34098, fol. 17v–18r.
567 FKBA34098, fol. 25r–28r, datiert mit 25.12.1895 (Abschrift).
568 FKBA34098, fol. 31–32 (Abschrift).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken