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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 581
rich darlegt, hatten Karpf und seine Mitarbeiter den Wandbedarf für die
Stellflächen anscheinend sehr großzügig hochgerechnet und mit zahlreichen
quantitativen Aufschlägen abgesichert. Außerdem kommt er bei seiner Be-
rechnung der verfügbaren Wandfläche zu einem deutlich abweichenden Er-
gebnis, wonach nicht 20,5 m2 zu wenig, sondern 165 m2 mehr als benötigt
vorhanden wären.569 Als Pendant zum erwähnten großen Saal XI könnte
nach Henrich im gegenüberliegenden Gebäudeflügel durch die Entfernung
mehrerer Trennwände und Zwischendecken ein ebenso großer Raum her-
gestellt werden und damit der Platzbedarf der Bestandszuwächse auf viele
Jahre hinweg gedeckt werden. Die meisten Räume wären unterkellert und
deshalb trocken; die durch die Heizung erzielte Raumtemperatur läge selbst
bei größter äußerer Kälte bei 20–22° Celsius und könnte im Bedarfsfall in
manchen Räumen durch regulierbare Ventile auch höhergestellt werden.
Für die Steinböden schlägt Henrich einen Linoleumbelag vor, der billiger als
Parkett sei und die Erhaltung des historischen Pavimentums gewährleisten
würde. Diese Maßnahme und eine Reihe kleinerer Änderungen als Reaktion
auf Karpfs Beanstandungen würden Zusatzkosten von 1.700 fl. verursachen.
Karpf war nun erneut aufgefordert eine Stellungnahme abzufassen, die
er am 20. April 1896 vorlegte.570 Wie er darin ausführt, ergab sich die un-
terschiedliche Berechnung der für Bücherkästen nutzbaren Wandflächen
ausschließlich aus der mehr bzw. weniger vollständigen Ausfüllung von
Randbereichen (Ecken, seitliche Bereiche bei frei stehenden Kästen, obere
Abschlüsse bei den Galerien in Saal XI).571 Entscheidend aus Sicht der Bi-
bliothek waren die Forderung, dass die Bewegungsfreiheit für bibliotheka-
rische Manipulationen nicht allzu sehr eingeschränkt werden dürfe, und
die „Nothwendigkeit, die Laten Kästen zu verwenden, welche Umstände die
geometrisch vollständige Ausnutzung des Raumes unmöglich machen“.572
Karpf wollte die Zerstückelung und den Umbau des vorhandenen Mobiliars
und die damit verbundene Neuaufstellung der Bücher so weit als möglich
vermeiden; das erstere wegen der Ersparnis an Kosten und Aufwand, das
letztere, um sich die dadurch bedingte Umsignierung der Bücher zu erspa-
ren. Als Korrekturgröße wären zu der ursprünglichen Flächenangabe Jure-
czeks von 1.364,56 m2 folglich nicht 185,55 m2, sondern lediglich 42,52 m2 an
zusätzlicher Wandfläche hinzuzurechnen.573 Überdies hielt Karpf die Her-
569 Diese Berechnung aufgrund einer beigegebenen Tabelle: FKBA34098, fol. 33r–v (Abschrift).
570 FKBA34098, fol. 37–47.
571 Die Angaben beruhen erneut auf tabellarischen Aufstellungen und Berechnungen von Ju-
reczek (FKBA34098, fol. 48–49).
572 FKBA34098, fol. 40v.
573 FKBA34098, fol. 40v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken