Seite - 600 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Bild der Seite - 600 -
Text der Seite - 600 -
KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM600
Das Obersthofmeisteramt organisierte zunächst einen kommissionellen
Lokalaugenschein zur Begutachtung der Schäden und zur Erwägung von
geeigneten Abwehrmaßnahmen. Die Begehung fand am 29. September statt;
Teilnehmer waren neben Karpf und Regierungsrat Anton Janka von der Ge-
neraldirektion ein Vertreter des Obersthofmeisteramtes, mehrere Bausach-
verständige (darunter Ohmann) und der Direktor der Hofbibliothek, Josef
Karabacek. Zum Ablauf existiert ein Protokoll, das der Generaldirektion auf
Verlangen vom Obersthofmeisteramt zugesandt wurde, und ein interner Be-
richt von Janka.627 Daraus lässt sich folgendes Bild gewinnen: In allen Räu-
men hatte sich anscheinend Schimmel gebildet, in einzelnen war zudem ein
ziemlicher Modergeruch bemerkbar. Die Bibliothekskästen und sämtliche
Bücher fühlten sich feucht an, wobei einzelne Einbände bereits beschädigt
waren. Die Wände und Fußböden zeigten sich hingegen im Allgemeinen tro-
cken. Als Ursachen für die Schäden wurden der Temperaturunterschied zwi-
schen Innen- und Außenluft, die in den Luftschächten mangels Reinigung
angesammelte Feuchtigkeit und die unzureichende Beheizung der Räume
identifiziert. Als Maßnahme zur Abhilfe wurde neben der Zuführung trocke-
ner Luft die Anbringung von Heizrohren entlang der Wände hinter den Bib-
liothekskästen vorgeschlagen.
Daneben fand noch ein zweiter Lokalaugenschein statt, den der Stell-
vertreter des Generaldirektors, Franz von Hawerda-Wehrlandt, zusammen
mit Karpf und einem Experten für Pilzkunde durchführte. Dieser empfahl,
abgesehen von den bereits vorgebrachten Maßnahmen zur Regulierung des
Raumklimas, das „Abbürsten der bepilzten Bände mit Pinseln, die zeitweilig
in absolutem Alkohol zu reinigen sind“.628
Karpf wurde nun aufgefordert wöchentlich über das Voranschreiten der
Reinigungsarbeiten und den Erfolg der vom Obersthofmeisteramt gesetzten
Maßnahmen zur Regulierung des Raumklimas zu berichten.629 Wie aus der
nun folgenden Korrespondenz mit der Generaldirektion hervorgeht, verlief
die weitere Entwicklung durchaus zufriedenstellend.630 Die Luftfeuchtigkeit,
die zunächst zwischen 67 und 70 % schwankte, betrug ab November 1904
nur mehr 43–51 %. Die Temperatur lag am Tag und während der Nächte
gleichmäßig zwischen 14 und 16° C. (Man hatte zur Messung dieser Daten
selbstregulierende Thermometer und Hygrometer aufgestellt.) Seit Ende
627 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 3726 ex. 1904 u. Z. 3970 ex. 1904.
628 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 3726 ex. 1904.
629 FKBA37054, fol. 2r–v; Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 3726 ex. 1904: Erlass
vom 14.10.1904.
630 Vgl. FKBA37054 u. Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 4237 ex. 1904 u. Z. 583
ex. 1905.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken