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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM602
ben jedoch ergänzt, dass er „dessen ungeachtet […] dem Wunsche nach
anderen Localitäten, vielleicht anschließend an die für die nächste Übersied-
lung in Aussicht genommenen Räumlichkeiten im Mezzanin wiederholt Aus-
druck […] geben“ wolle.635 Das deutet darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt
der Auszug der Fideikommissbibliothek aus den Parterre-Räumlichkeiten in
ein konkreteres Stadium getreten war. Dass ihre Unterbringung im darüber
liegenden Mezzanin von Generaldirektor Chertek „in Aussicht genommen“
wurde, geht aus einer späteren Mitteilung hervor.636
Im März 1906 kam es jedenfalls zu einer unvorhergesehenen Wende, die
schließlich auch eine neue Lösung in der Raumfrage nach sich zog. Nachdem
das Obersthofmeisteramt es wieder einmal abgelehnt hatte, der Fideikom-
missbibliothek neue Räume zur Verfügung zu stellen, konstatierte man in
der Generaldirektion, dass dies diesmal mit einer neuartigen Begründung
geschah. Die Angabe, dass „die Verfügung über die Räume in der neuen Hof-
burg seiner Einflussnahme entrückt ist“, hing offenbar mit der Übertragung
der „Fürsorge für die Fortsetzung und Vollendung des Neubaues der kaiser-
lichen Hofburg in Wien“ an den Thronfolger Franz Ferdinand zusammen.637
In dem gleichen kaiserlichen Handschreiben vom 27. Februar, mit dem diese
Verfügung getroffen wurde, wurde auch die Auflösung des Hofbaucomités
angeordnet. Dessen Funktion sollte künftig von der im Entstehen begriffe-
nen Burgbaukommission übernommen werden. Wie im internen Bericht der
Generaldirektion festgehalten ist, war es nun opportun, wegen Zuweisung
neuer Räumlichkeiten für die Fideikommissbibliothek an diese Behörde he-
ranzutreten, sobald sie sich konstituiert hatte.
Die Initiative ging jedoch im Folgenden von anderen Seiten aus. Inzwi-
schen war die Bibliotheksleitung nach der Pensionierung Karpfs Anfang
Juni 1906 auf Franz Schnürer übergegangen, und dieser berichtete am
8. November des Jahres von einem Besuch Franz Ferdinands in der Bib-
liothek. Der Thronfolger war eigentlich in die Sammlung gekommen, um
Zeichnungen und Stiche für die Ausschmückung der Wände des Schlosses
Eckartsau auszusuchen; während seiner Anwesenheit entwickelte sich
aber auch ein Gespräch über die Unterbringung der Bestände und Schnü-
rer nutzte die Gelegenheit geschickt aus, um auf die Übelstände und die
Schimmelbildung in den Souterrainräumlichkeiten aufmerksam zu ma-
chen. In seinem Bericht zeichnet Schnürer auch ein drastisches Bild über
die Auswirkungen des Schimmelproblems: Die Bücher müssten permanent
635 FKBA37054, fol. 27r.
636 S. u. Anm. 642.
637 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1114 ex. 1906. Wiener Zeitung, Nr. 50 v.
04.03.1906, 1.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken