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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM606
auf diese Entwicklungen kündigte Schnürer zudem an, einen detaillierten
Übersiedlungsplan auszuarbeiten.
Am 12. Dezember des Jahres 1907 meldete auch die Burgbaukommission
an die Generaldirektion, dass die „Adaptierungsarbeiten im Corps de Logis-
Trakte der neuen Hofburg für die Unterbringung der Fideikommißbibliothek
[…] bereits so weit vorgeschritten [waren], daß im kommenden Frühjahre
die Übersiedlung dieser Bibliothek […] erfolgen sollte“ und bat, „die wegen
dieser Übersiedlung erforderlichen Maßnahmen gefälligst einleiten zu wol-
len.“649 Chertek, der aufgrund der bisherigen Erfahrungen sensibilisiert
war, gab zu erkennen, dass er nicht gewillt war tätig zu werden, bevor eine
schriftliche Zusicherung eingelangt wäre, dass „die Unterbringung der kost-
baren Bibliotheksbestände […] ohne jede Schädigung oder auch nur Gefähr-
dung vorgenommen werden könne“.650
Am 29. Jänner 1908 legte Schnürer ein ausführliches Konzept für die Über-
siedlung mit 16 Detailplänen und vier Tabellen vor, die von Johann Jureczek
ausgearbeitet worden waren.651 Besprochen werden darin die Einteilung der
Räume und die Aufstellung der Kästen, der Vorgang der Übersiedlung und
die Frage der Übernahme der Bibliotheca Estensis. Bezüglich der Raumnut-
zung hatte Schnürer klare Vorstellungen, die die Einrichtung der einzelnen
Säle und Zimmer sowie ihre Verwendung bis heute prägen. Demnach sollte der
Trakt gegen den Heldenplatz die Büros der Beamten, den Katalograum, die
Landkarten- und Kunstsammlung, die Registratur und auch ein kleineres Zim-
mer für externe Benutzer der Bibliothek enthalten. Die großen Saalfluchten im
Ringstraßen- und Burggartenflügel waren für die historischen Kernbestände
vorgesehen und sollten zum Teil nach den für die Sammlungsgeschichte maß-
geblichen Kaisern gestaltet und befüllt werden. Die bis heute gültige Abfolge
ist hier (beginnend an der Heldenplatzseite): Porträtsaal (VI), Kaiser Franz-
Saal (VII), Kaiser Ferdinand-Saal (VIII), Kaiser Franz-Joseph-Saal (IX), Bib-
liotheca Estensis (X und XI). Der große, gegen den Exedrabau der Neuen Burg
gelegene Saal XII (heute auch Goethesaal genannt) war für die Aufnahme
der Privatbibliothek Franz Josephs vorgesehen. Auch die vier innenhofseiti-
gen kleineren Säle sollten Bücherregale aufnehmen. Schnürer beabsichtigte,
die Kästen möglichst nach ihrer numerischen Reihenfolge aufzustellen, die
im Zuge der bisherigen Übersiedlungen ganz durcheinandergekommen war.
649 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 4931 ex. 1907: Note der Burgbaukommis-
sion an Generaldirektion v. 12.12.1907.
650 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 4931 ex. 1907: Note der Generaldirektion an
die Burgbaukommission v. 16.12.1907 (Konzept).
651 FKBA37205, fol. 18–31 (Konzept), und Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 470
ex. 1908.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken