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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 609
samtkosten für die Übersiedlung betrugen einschließlich der Ausgaben für
die von Schnürer gewünschten neuen Kästen 32.500 K. Sie wurden von der
Burgbaukommission getragen und somit aus Mitteln des Stadterweiterungs-
fonds bestritten. Schnürer hatte zudem um Remunerationen für sämtliche
Bibliotheksangestellte geworben, was von Hawerda unterstützt und schließ-
lich auch bewilligt wurde.657
2. Bibliothek und Öffentlichkeit
Im Verwaltungsbericht für das Jahr 1893 heißt es am Ende:
„Was schließlich die Benützung der kais. Sammlungen zu wissenschaftlichen
und künstlerischen Studien anbelangt, so hat dieselbe im vergangenen Jahre
eine bedeutende Steigerung erfahren, und wird, wie es sich aus täglicher In-
anspruchnahme der Bibliothek seitens in- u. ausländischer Gelehrter u. Künst-
ler schließen läßt, sicher noch in einem weit größeren Umfange stattfinden,
nachdem die früher öffentliche Meinung, dass diese Bibliothek durchwegs un-
zugänglich wäre, durch ihre Besucher sowie auch durch die Journale immer
mehr berichtigt wird.“658
Die Formulierung von Direktor Zhishman charakterisiert und antizipiert
eine Entwicklung, die den gesamten, in den vorliegenden Kapiteln behandel-
ten Zeitraum von 1878 bis zum Ersten Weltkrieg geprägt hat: Die Fideikom-
missbibliothek durchläuft innerhalb dieser dreieinhalb Jahrzehnte einen
Transformationsprozess, der aus einer „durchwegs unzugänglich[en]“ und
wohl auch wenig bekannten Sammlung eine quasi-öffentliche Institution
gemacht hat. Das hatte wichtige Konsequenzen für das Selbstverständnis
der Fideikommissbibliothek und die damit einhergehende Frage der ihr
zugewiesenen Funktion(en), aber auch für die räumliche Entwicklung, die
Ausdifferenzierung der Aufgabenbereiche und Arbeitsroutinen, die Erwer-
bungspolitik und nicht zuletzt noch für das weitere Schicksal nach 1918. Der
Prozess der Herausbildung eines Geflechtes von Beziehungen und Interak-
tionen zwischen Fideikommissbibliothek und Öffentlichkeit ist äußerst viel-
schichtig; auch die Formen, wie die letztere Gebrauch von der ersteren ge-
657 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 3782 ex. 1908.
658 FKBA34073, fol. 12r. Der zweite Teil des Satzes, der kursiv gesetzt ist, wurde von Biblio-
theksdirektor Zhishman mit eigener Hand ergänzt. Alois Karpf, von dem das Konzept des
Berichtes stammt, hatte ursprünglich geschrieben: „[…] welcher Umstand in nicht gerin-
gem Grade dem zeitweiligen unmittelbaren Verkehr mit dem Publikum zuzuschreiben ist“.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken