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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM610
macht hat, sind vielfältig und sollen erst in den nachfolgenden Kapiteln im
Einzelnen klassifiziert und analysiert werden. An dieser Stelle will ich zu-
nächst die wichtigsten Gründe und Katalysatoren für die zunehmende Inter-
aktion zwischen Fideikommissbibliothek und Öffentlichkeit besprechen und
zugleich einen Überblick über wesentliche Etappen dieses Prozesses geben.
Abgesehen von dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ansteigen-
den Interesse, das Personen und Körperschaften aus verschiedenen Grün-
den an Beständen der Fideikommissbibliothek hatten, bestand natürlich
ein wesentliches Erfordernis für alle Formen ihres öffentlichen Gebrauchs
zunächst in der Voraussetzung, dass diese Bestände außerhalb der Samm-
lung auch einigermaßen bekannt waren. Diese Bedingung wurde anschei-
nend durch den von Moritz Alois von Becker initiierten gedruckten Katalog
erfüllt.659 Im Verwaltungsbericht für das Jahr 1884 äußert sich der Biblio-
theksdirektor erstmals über diesen Effekt, wobei bereits explizit darauf hin-
gewiesen wird, welchem Teil der Bibliothek ein besonderes Interesse seitens
der Öffentlichkeit beschieden war:
„Durch die Vertheilung des auf Ah. Befehl verfassten und im Druck gelegten
Kataloges ist die Kenntnis der Schätze der k. k. Familienfideicommiss-Biblio-
thek, von deren Existenz zuvor nur wenig Auserlesene des Innlandes wussten,
in die weitesten Kreise gedrungen und namentlich die Porträt-Sammlung der
Bibliothek hat – obwohl sie in den bisher erschienenen Katalogbänden bloß
in der Vorrede erwähnt ist – die Aufmerksamkeit der literarischen Kreise im
Auslande zumeist in Deutschland auf sich gelenkt.“660
Die Praxis des Entlehnens von Werken aus der Fideikommissbibliothek –
auch für Ausstellungen – reicht zwar sporadisch bis vor 1870 zurück; der ge-
druckte Katalog muss jedoch für diese und alle weiteren Formen des Zugriffs
auf Sammlungsbestände zunächst wie ein Katalysator gewirkt haben.
Nach der Übersiedlung 1890/91 (vgl. Abschnitt 1.5.1) trat die Beziehung
Fideikommissbibliothek-Öffentlichkeit in eine neue, intensivere Phase.
Wohl auf Veranlassung durch Direktor Josef von Zhishman begann Alois
Karpf im Zuge einer während des Umzuges durchgeführten Revision damit,
ein „Verzeichnis der Bücher und Kunstwerke, für welche die k. u. k. Fami-
lien-Fideicomiss-Bibliothek benützt wurde“ anzulegen.661 Dabei handelt es
sich um eine bis gegen 1900 weitergeführte, ziemlich unsystematische Zu-
659 Siehe den Beitrag von Thomas Huber-Frischeis in diesem Band, Abschnitt 5.7.
660 FKBA31003, fol. 5v–6r.
661 FKBA33055. Das Verzeichnis wird von Zhishman auch im Übersiedlungsbericht erwähnt
(FKBA33067, fol. 46r).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken