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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 615
ter den gleichen Bedingungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wie die
aus der Hofbibliothek hervorgegangene Nationalbibliothek.678
2.1 Ausstellungen
2.1.1 Huldigungsadressen als Präsentationsobjekte
Ein Bereich, in dem sich das Wirken der Fideikommissbibliothek in die Öf-
fentlichkeit frühzeitig und dann über einen langen Zeitraum hinweg gleich-
mäßig entwickelte, war das Ausstellungswesen. In jener Zeit aber, als sich
diese Beziehung zu formieren begann – nämlich in den 1870er Jahren – war
dies hauptsächlich an eine ganz bestimmte Objektklasse gebunden: die Hul-
digungsadressen. Bei acht der ersten zwölf Ausstellungen, an denen sich
die Sammlung zwischen 1865 und 1882 beteiligte, waren es diese kunstvoll
gestalteten Herrscher-Devotionalien, die ausschließlich oder wenigstens
vorwiegend als Leihobjekte herangezogen wurden. Sie waren dann schließ-
lich auch der Ausgangspunkt und die Hauptattraktion für eine hauseigene
Schau, zu der die Fideikommissbibliothek 1893 nach ihrer Übersiedlung in
den Augustinergangtrakt ihre Pforten für die Allgemeinheit öffnete.679
Anfänge
Die erste öffentliche Präsentation der Huldigungsadressen fand im April des
Jahres 1865 statt. Ort des Geschehens war das zwei Jahre zuvor gegründete
österreichische Museum für Kunst und Industrie, das auch in den folgen-
den fünf Jahrzehnten bis zum ersten Weltkrieg als mit Abstand wichtigster
Leihnehmer von Objekten aus der Fideikommissbibliothek auftreten sollte.
Es befand sich damals noch in unmittelbarer Nähe der Hofburg, nämlich in
dem unter Maria Theresia im Areal des Kaiserspitales errichteten Ballhaus,
das ihm bis zur Übersiedlung in den Neubau am Ring (1875) als Quartier
diente (im Bereich des heutigen Ballhausplatzes).680 Am 17. April hatte das
Museum „die auf dem beifolgenden Blatte verzeichneten Einbände aus der
678 Wien, ÖStA, AVA, Unterrichtsministerium, Kt. 545 (NB): Stellungnahme von Rudolf
Payer-
Thurn an das Unterrichtsamt v. 25.10.1920 zur künftigen Verwaltung der Fideikom-
missbibliothek.
679 Das folgende Kapitel befasst sich mit der Geschichte der öffentlichen Präsentation der
Huldigungsadressen; zu Entstehung, Bedeutung, Form und Inhalt der Objekte siehe Ab-
schnitt 3.2.1.
680 Zur Entstehungsgeschichte des Museums und zu seiner ersten Unterbringung siehe den
Bericht von Heinrich Ferstel, dem Architekten des Neubaus, in der Allgemeinen Bauzei-
tung 36 (1871), 351–352.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken