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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 627
Huldigungsadressen anlässlich der silbernen Hochzeit für die Präsentation
bei der Industrie-Ausstellung in Triest entlehnen zu dürfen, was schließ-
lich auch bewilligt wurde.732 Erwähnenswert ist noch, dass der gleichnamige
Nachfolger von August Klein im Jahr 1892 von der geplanten Ausstellung in
den neu zugewiesenen Räumen der Fideikommissbibliothek im Augustiner-
gang bereits einige Monate vor der Eröffnung erfahren hatte und zu diesem
Anlass anbot, die in der eigenen Firma produzierten Huldigungsadressen zu
günstigen Kosten zu restaurieren.733
Neben August Klein haben sich noch weitere Firmeninhaber darum be-
müht, Huldigungsadressen zwecks Präsentation bei Gewerbeausstellun-
gen zu entlehnen, die in ihren Betrieben hergestellt worden waren. Dazu
zählen Eduard Sieger, Inhaber einer lithografischen Anstalt und Buchdru-
ckerei (3 Adressen, 1879),734 der Ledergalanteriewarenfabrikant Paul Pol-
lack (16 Adressen, 1879, 1880, 1881, 1890, 1898) und der Buchbinder Franz
Rollinger (24 Adressen, 1879, 1880, 1881). Die Anlässe, gelegentlich derer
sich diese Produzenten um die Ausfolgung ihrer Werke bemühten, waren
großteils dieselben, die schon Klein zu derartigen Schritten bewogen hatten.
So hatte 1880 auch die Firma Eduard Sieger – in diesem Fall mittels Majes-
tätsgesuch – darum gebeten, die von ihr produzierte Huldigungsadresse des
niederösterreichischen Gewerbevereins anlässlich der silbernen Hochzeit
für die Gewerbeausstellung im Prater entlehnen zu dürfen. Sie war „nach
eigenem, vom niederösterreichischen Gewerbe Verein als neue Erfindung
mit der silbernen Vereins-Medaille prämierten Verfahren hergestellt“ wor-
den.735 Trotzdem war sie, wie Becker mitteilt, nicht „unter denjenigen, die
in folge Allerhöchster Genehmigung an die Direction des oesterreichischen
Museums für Kunst und Industrie zur Ausstellung abgegeben wurden“ und
konnte deshalb dem Hersteller ausgehändigt werden.736 – Franz Rollinger
wurde 1882 gestattet, einige der von ihm ausgeführten Huldigungsadressen
anlässlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares bei der Industrie-Aus-
732 FKBA30065.
733 FKBA33146. Bezeichnend für die Mischung aus Halbwissen vom Hörensagen und Un-
kenntnis ist der Satz, womit dieses Schreiben an Direktor Zhishman vom 12.09.1892 ein-
geleitet wird: „Durch die Munificenz & den Kunstsinn Euer Hochwohlgeboren werden die
in den Archiven [i. e. in der FKB] verwahrten Pracht-Adressen & Geschenke […] für einige
Zeit zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt.“ (fol. 1r).
734 Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Gesamtzahl der Huldigungsadressen des
jeweiligen Erzeugers, die in der Fideikommissbibliothek nachweisbar sind, und auf die An-
lässe, zu denen sie angefertigt worden sind: silberne Hochzeit des Kaiserpaares (1879), 50.
Geburtstag des Kaisers (1880), Vermählung des Kronprinzen Rudolf (1881), Vermählung
der Erzherzogin Marie Valerie (1890), 50-jähriges Thronjubiläum (1898).
735 FKBA29069, fol. 3r.
736 Ebenda, fol. 4r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken