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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM628
stellung in Triest zu präsentieren;737 und Paul Pollack konnte 1888 sechs
aus seiner Produktion stammende Enveloppes und Kassetten bei einer an-
lässlich des 40-jährigen Thronjubiläums im Prater veranstalteten Gewerbe-
Ausstellung zeigen.738 Bei der Bewilligung der beiden letzteren Gesuche
argumentierten die Bibliotheksleiter Becker (1882) und Zhishman (1888)
genauso wie im Falle Kleins damit, dass die Bittsteller Garantien für die
unversehrte Rückgabe der Objekte leisten würden.
Es waren aber nicht nur Privatpersonen und kunstgewerbliche Betriebe,
die Huldigungsadressen aus eigener Produktion für Ausstellungszwecke
entlehnten. Auch Körperschaften, die als Auftraggeber oder als Institutio-
nen zur Förderung des Kunstgewerbes mit der Herstellung von Adressen in
Verbindung standen, bedienten sich der kostbaren Objekte zur öffentlichen
Darstellung ihrer Produkte. 1883 entlehnte die Versuchsanstalt und Lehr-
werkstätte für das Eisen- und Stahlgewerbe in Steyr zwei Huldigungsadres-
sen, um sie in einer Ausstellung „der Arbeiten ihrer Schüler und Lehrkräfte“
zu zeigen, die anlässlich der Übersiedlung der Lehranstalt in einen Neubau
veranstaltet wurde. Das Ansuchen war von einem Empfehlungsschreiben
des Ministers für Kultus und Unterricht begleitet, nach dessen Formulie-
rung die Schau in der Schule „ein Bild ihrer raschen Entwicklung und ihrer
Leistungsfähigkeit“ geben sollte.739
Im Jahr 1900 wurden drei aktuelle Huldigungsadressen als vorbildliche
Schöpfungen regionaler Kunstindustrie präsentiert. Das Spezialkomitee
für das steirische Kunstgewerbe bei der Weltausstellung in Paris entlehnte
die Pultkassette jener Adresse, die der steirische Landtag zum 50-jähri-
gen Regierungsjubiläum des Kaisers überreicht hatte,740 und der Wiener
Kunstgewerbeverein zeigte die Hüllen der beiden Adressen, die die Stadt
Wien für den gleichen Anlass und zum sechzigsten Geburtstag des Kaisers
hatte anfertigen lassen, bei einer Weihnachtsausstellung.741 (vgl. Abb. 25)
Beide waren von Josef von Storck, dem Direktor der Kunstgewerbeschule
des österreichischen Museums für Kunst und Industrie entworfen und vom
Ziseleur und Silberschmied Carl Würbel ausgeführt worden.742 Im Jahr 1903
wurde die Huldigungsadresse des Landes Oberösterreich zum 50-jährigen
Regierungsjubiläum des Kaisers bei der oberösterreichischen Landesausstel-
737 FKBA30069.
738 FKBA32020.
739 FKBA30092, fol. 2r. Die Anlässe für die Anfertigung der Adressen waren die silberne Hoch-
zeit des Kaiserpaares (1879) und die Habsburgerfeier des Jahres 1882.
740 FKBA36007.
741 FKBA36044.
742 Zur Übergabe der Adresse von 1900 vgl. Neues Wiener Abendblatt, Nr. 258 v. 20.09.1900,
3; zu Storck und seiner Bedeutung für das Kunstgewerbe in Wien siehe Scholda, Storck.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken