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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM634
der betreffenden Künstler gestattet hat, zahlreiche der im Hohenzollern-Mu-
seum befindlichen, weiland dem Kaiser Wilhelm gewidmeten Adressen auf-
zunehmen. Ebenso bereitwilliges Entgegenkommen habe ich an den Höfen in
München, Gotha, Dresden u. s. w. gefun
den.“758 Bemerkenswerterweise wurde
das Gesuch vom nunmehrigen Bibliotheksleiter Alois Karpf mit der lapida-
ren Begründung abgewiesen, „dass die Erfüllung […] nach den für die hiesige
Bibliothek geltenden Normen nicht möglich ist“.759 Wie sich aus zahlreichen
vergleichbaren Situationen ergibt, die im Archiv der Fideikommissbibliothek
dokumentiert sind, war dies eine reine Willkürentscheidung. Nach einer In-
tervention des Verlegers Julius Hoffmann war Karpf denn auch bereit, das
Ansuchen an die Generaldirektion der habsburgischen Familienfonde wei-
terzuleiten, die schließlich die Genehmigung des Kaisers erwirkte. Er wei-
gerte sich jedoch selbst eine Auswahl unter den Huldigungsadressen für die
Publikation zu treffen. Interessanterweise war es nun nicht Buss, der nach
Wien reiste, um dieser Aufgabe nachzukommen, sondern Hoffmann. In dem
letzten erhaltenen Brief, den er in dieser Angelegenheit verfasst hat, drückt
Hoffmann zudem mit hinreichender Deutlichkeit aus, dass er das Werk und
die darin getroffene Zusammenstellung als seine persönliche Leistung be-
trachtete.760 Ein isoliertes Aktenstück, das eine Liste von Malern mit beige-
ordneten Signaturen von Huldigungsadressen enthält und bislang aufgrund
weiterer Notizen auf der Rückseite in Verbindung mit der Jahreszahl 1875
falsch datiert und ins Archiv der Fideikommissbibliothek eingeordnet worden
ist, gehört wahrscheinlich in den vorliegenden Zusammenhang.761 Diese Zu-
sammenstellung von Künstlern und Adressen kann jedenfalls erst nach 1890
erfolgt sein, da einige der darin angeführten Adressen anlässlich der Vermäh-
lung der Erzherzogin Marie Valerie in diesem Jahr entstanden sind. Es muss
auch noch erwähnt werden, dass Hoffmann vier Jahre später ganz aus eige-
ner Initiative noch eine weitere „Ehren-Urkunde“, nämlich jene von Rudolf
Rössler für die Huldigungsadresse der Wiener Börse anlässlich des 50-jähri-
gen Regierungsjubiläums des Kaisers fotografisch reproduzieren ließ.762 Sie
758 Ebenda, fol. 3r.
759 FKBA34129, fol. 6r.
760 Schreiben vom 29.04.1895, FKBA34129, fol. 16r–v: „Ich werde mir daher erlauben, Ihnen
von Stuttgart aus Nachricht zu geben, welche Adressen ich für mein Werk aufgenommen
haben möchte […]“.
761 FKBA28002.
762 FKBA35204. Der Name von Rudolf Rössler findet sich sowohl auf der Verlagsankündigung
von 1894 (FKBA34129, fol. 4r und 4v mit Angabe der von ihm gemalten „Adresse der Stadt
Wien für die Erzherz. Valerie von Oesterreich zur Feier ihrer Vermählung“ als auch auf der
Liste in FKBA28002.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken