Seite - 637 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 637
fünf Huldigungsadressen aus der Fideikommissbibliothek.770 Des Weiteren
wurde eine Auswahl der Dedikationsobjekte, „die unter dem Einfluß des
Museums entstanden sind“,771 jeweils anlässlich der Jubiläums-Ausstel-
lungen zum 25-jährigen (1889) und zum 50-jährigen Bestehen (1914) des
Hauses präsentiert. Die Zahl der entlehnten Objekte und der damit ver-
bundene Anspruch waren in diesen beiden Fällen nicht gleichwertig. 1914
sollte „die Entwicklung der heimischen Kunstindustrie von den 50er Jah-
ren des 19. Jahrhundert bis auf die Gegenwart in typischen Beispielen zur
Darstellung“ gebracht werden. Zu diesem Zweck entlehnte man 26 Objekte
aus der Fideikommissbibliothek, hauptsächlich Huldigungsadressen, die
anlässlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares (1879), der Vermählung
des Kronprinzen (1881) und bei Gelegenheit der Regierungsjubiläen des Kai-
sers (1888, 1898, 1908) überreicht worden waren. Wie Eduard Leisching, der
damalige Direktor des Museums, bemerkt, würde „durch diese Vorführung
[…] eine große Reihe heimischer Künstler und Kunsthandwerker aufs Beste
repräsentiert sein.“772 1889 wurden hingegen nur sieben Adressen gezeigt,
deren Entstehung den beiden Ereignissen der Jahre 1879 und 1881 zu ver-
danken war.773 – Schließlich war das österreichische Museum auch Ort einer
Ausstellung von Huldigungsadressen, die dem Regierungsjubiläum von 1898
gewidmet waren. In diesem Fall ging die Initiative anscheinend vom Gene-
raldirektor Emil von Chertek aus, der am 30. Jänner 1899 einen entspre-
chenden Bescheid an den leitenden Kustos Alois Karpf richtete und sich da-
rin auch die endgültige Entscheidung über die Auswahl der auszustellenden
Adressen vorbehielt.774 Letztlich wurden achtunddreißig der insgesamt 212
eingelangten Adressen ausgestellt,775 nach Cherteks Formulierung jene, die
„durch ihre künstlerische Ausstattung, oder durch die Eigenart der Form,
das Interesse des kunstverständigen Publicums anzuregen geeignet sind.“776
Als interessantes Detail kann dazu noch ergänzt werden, dass sich genau
eine Woche, nachdem die Schau am 9. Februar 1899 eröffnet worden war,
der Oesterreichische Touristen-Club bei Karpf meldete, um ein spezifisches
Anliegen zu deponieren. Man war, wie es in dem Schreiben heißt, durch „die
in den Tagesblättern enthaltene Notiz“ auf die Ausstellung aufmerksam ge-
770 FKBA30042 (zum Leihvorgang). – Oesterr.-ung. Industrie und landw. Ausstellung Triest
1882. Officieller Katalog (Triest 1882) 444 (Nr. 131) u. 445 (Nr. 140–143).
771 FKBA32053, fol. 1r. Das Zitat ist der schriftlichen Anfrage des damaligen Direktors, Jacob
Falke, entnommen.
772 FKBA42064, fol. 2r (Zitate) u. fol. 8r (Liste der Leihgaben).
773 Vgl. die Angaben der Signaturen in FKBA32053, fol. 9r.
774 FKBA35208, fol. 1r–v.
775 Vgl. FKBA35208, fol. 3r–v mit einer Liste der ausgestellten Objekte.
776 Ebenda, fol. 1r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken