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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM648
blick zeigt also, dass im Hinblick auf die Ausstellungen, zu denen die Fidei-
kommissbibliothek mit Leihgaben beigetragen hatte, neben Wien als dem
unangefochtenen Zentrum nur noch einige weitere Städte der Monarchie
und des Deutschen Reiches eine nennenswerte Rolle gespielt haben.
Im Hinblick auf die Themen der betreffenden Ausstellungen kann man
feststellen, dass die inhaltliche Bandbreite derselben denkbar breit gefä-
chert ist und Gegenstandsbereiche unterschiedlichster Modalität umfasst:
Kunstausstellungen ebenso wie historische, kultur-, literatur- und musik-
geschichtliche Ausstellungen und Expositionen zu nahezu sämtlichen Kul-
turtechniken des primären Wirtschaftssektors (Land- und Forstwirtschaft,
Jagd, Gartenbau und Botanik, Fischerei, Reitkunst und Pferdezucht, Bä-
ckerei). Rund dreißig Veranstaltungen waren Jubiläums- oder Gedenkaus-
stellungen anlässlich von runden Jahrestagen. Dabei spielten sowohl sym-
bolträchtige Ereignisse (v. a. die Türken- und Franzosenkriege sowie der
Wiener Kongress) als auch wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte
der Monarchie (Maria Theresia, Franz Grillparzer, Georg Raphael Donner,
Franz Schubert, Erzherzog Karl) eine Rolle. Gewissermaßen in die Gegen-
wart verlängert wurde dieser Trend durch zahlreiche Veranstaltungen an-
lässlich der Jubiläen des regierenden Kaisers Franz Joseph. Den diesbezüg-
lichen Höhepunkt bildete die Ausstellung „Unser Kaiser“ im Jahr 1908, an
der die Fideikommissbibliothek mit wesentlichen Leihgaben beteiligt war,
worauf weiter unten noch genauer einzugehen sein wird. Entlehnt wurden
des weiteren Werke von bekannten zeitgenössischen Wiener Malern für Re-
trospektiven zu diesen Künstlern (Emil Jakob Schindler,820 Rudolf Alt,821
Eduard Kaiser822). Im Besonderen erwähnenswert sind schließlich noch drei
Ausstellungen aus den Jahren kurz vor dem Ersten Weltkrieg, bei denen die
Leihgaben in unmittelbarer Beziehung zu Mitgliedern der Dynastie standen
und die zugleich progressiven gesellschaftlichen Themen gewidmet waren:
die Ausstellung „Das Kind“ (1907) in der Rotunde, die vom Wiener Fotogra-
fen Charles Scolik organisiert wurde und unter anderem Knabenbildnisse
keine künstlerisch wertvollen Bildnisse vorhanden waren. (FKBA37051; zur Ausstellung
siehe: Das Vaterland, Nr. 299 v. 28.10.1904, 5; zu Liechtenstein: ÖBL, Bd. 5 (1972), 563). –
Im Mai 1911 gelangte an die Fideikommissbibliothek eine Anfrage des Hofsekretärs im Au-
ßenministerium, Max Riedl von Riedenau, wegen Entlehnung von Porträts österreichischer
„Missionschefs“ (Gesandter) in Russland für eine Ausstellung. Bibliotheksleiter Schnürer
weigerte sich jedoch, die beiden infrage kommenden Blätter auf die Reise zu schicken, und
empfahl die Herstellung und Versendung von Faksimile-Reproduktionen (FKBA39058).
820 FKBA33123, FKBA33158.
821 FKBA33137, FKBA33140; FKBA40079, FKBA42031.
822 FKBA34013.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken