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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 649
des Kaisers einer Öffentlichkeit präsentierte;823 „Die Kunst der Frau“ in der
Wiener Sezession (1910), in der Zeichnungen und Druckgrafiken von Erz-
herzoginnen zu sehen waren;824 und die Amateur-Ausstellung im Österrei-
chischen Museum für Kunst und Industrie (1912), die ebenfalls Zeichnungen
von Mitgliedern des Kaiserhauses zur Schau stellte.825
Die Teilnahme der Fideikommissbibliothek an bestimmten Ausstellungen
hing natürlich davon ab, ob in ihren Beständen relevantes Material in her-
ausragender Qualität vorhanden war. Das erklärt umgekehrt auch, dass Aus-
stellungen zu bestimmten Kategorien von Artefakten besonders häufig in der
Liste der einschlägigen Ereignisse auftauchen: Allein vierzehn waren kunstin-
dustrielle Ausstellungen, zu denen die Fideikommissbibliothek mit mehr oder
weniger großen Zusammenstellungen aus dem Bestand ihrer Huldigungsa-
dressen beitrug; weitere sieben widmeten sich der Buch- und Einbandkunst
und ebenso viele dem Thema „Porträt“. Zu den beiden letzteren Gegenstands-
bereichen kann die Fideikommissbibliothek als Schwerpunktsammlung be-
trachtet werden. Im Hinblick auf die erwähnten Themenbereiche „Botanik“,
„Jagd“, „Fischerei“ und „Reitkunst“ besaß sie außerdem Spezialbestände, die
entweder den Vorlieben des Bibliotheksgründers oder einer gewissen Affini-
tät zwischen dem Fachgebiet und einer herrscherlichen Sammlung zu danken
waren. Schließlich muss noch betont werden, dass Porträts, Darstellungen
geschichtlicher Ereignisse und topografische Ansichten, welche die Fideikom-
missbibliothek allesamt in großer Menge und Exklusivität besaß, natürlich in
allen möglichen Kategorien von Ausstellungen Verwendung finden konnten,
vor allem aber in historischen und kulturgeschichtlichen Kontexten. Für die
„Internationale Ausstellung für Musik- und Theaterwesen Wien 1892“ etwa
stellte die Sammlung über tausend Objekte zur Verfügung, und zwar fast aus-
schließlich Porträtgrafiken.826 Das visuelle Gedächtnis der Musikgeschichte,
soweit es sich an das Aussehen der Musiker, aber auch anderer beteiligter
Personen wie etwa Dichter und Schauspieler, knüpft, wurde in dieser Aus-
stellung somit nahezu vollständig durch Bestände aus der Fideikommissbib-
liothek repräsentiert. Im Hinblick auf die Goethe-Ausstellungen in Frankfurt
am Main wiederum konnte die Lavatersammlung mit diversen gezeichneten
Bildnissen von Personen aus dem Umkreis des Dichterfürsten aufwarten, von
denen sonst keine Darstellungen bekannt waren.
823 FKBA37197.
824 FKBA38225.
825 FKBA41002, FKBA42031.
826 Vgl. FKBA33113 (Akt zum Leihverkehr mit fünf Teilverzeichnissen), FKBA34002, fol. 5r–v
(Verwaltungsbericht).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken