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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM664
Auch Schnürer dürfte mitunter weniger bedeutende Objekte für Ausstel-
lungszwecke verliehen haben, ohne vorher die Genehmigung der vorgesetz-
ten Stelle einzuholen. Als 1907 die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft
anlässlich einer kleinen Gedenk-Ausstellung für Carl von Linné um Über-
lassung einiger Porträts ansuchte, antwortete der Bibliotheksvorsteher,
„daß ich gerne bereit bin, die gewünschten Linné-Porträts zum Zwecke einer
Ausstellung anlässlich der Linné-Festfeier Ihrer Gesellschaft leihweise zu
überlassen“.838 Als andererseits zur selben Zeit Gerüchte kursierten, dass
sich die Fideikommissbibliothek mit wertvollen Handschriften an einer Aus-
stellung in Belgien beteiligen würde, rechtfertigte sich Schnürer gegenüber
der Generaldirektion damit, dass er „in Anbetracht des hohen Wertes dieser
Handschriften die Bewilligung, dieselben in Brügge auszustellen, niemals
geben [würde], ohne vorher die Genehmigung seiner hohen vorgesetzten Be-
hörde dazu einzuholen.“839
Zusammenfassend kann man festhalten, dass bezüglich der Beteiligung
der Fideikommissbibliothek an Ausstellungen ein hierarchischer Bewilli-
gungsprozess zwar zunächst üblich und wohl auch vorgeschrieben war, aber
nicht in allen Einzelfällen strikt eingehalten und mit der Zeit zunehmend
verwässert wurde. Gründe, die die Einholung der Erlaubnis von höherer
Stelle, die ja immer auch eine Absicherung war, unabdingbar notwendig
erscheinen lassen mussten, waren: der Wert der Objekte oder ihr privater
Charakter im Hinblick auf die Person des Kaisers oder anderer Mitglieder
des Herrscherhauses (Autographen etc.), die Vertrauenswürdigkeit der Ver-
anstalter und die Entfernung zum Ausstellungsort, die lange Transportwege
notwendig machte.
Dass in der Fideikommissbibliothek grundsätzlich wegen Leihgaben für
Ausstellungen angefragt wurde, dafür waren verschiedene Faktoren aus-
schlaggebend: der gedruckte Katalog, Zeitungsartikel und sonstige pub-
lizierte Nachrichten aus und über die Sammlung, die bisherigen Ausstel-
lungen, an denen sie beteiligt war, persönliche Kontakte und Personen, die
in die Vorbereitung von Ausstellungen involviert waren und aus anderen
Gründen mit den Beständen der Fideikommissbibliothek vertraut waren.
Durch das Zusammenwirken dieser Einflussfaktoren über die Jahre hin-
weg war die Kenntnis über ihre potentielle Leihgeberschaft soweit in die Öf-
fentlichkeit gedrungen, dass besondere Kanäle für Hinweise wohl gar nicht
mehr notwendig waren. Damit war allerdings noch nicht festgelegt, wie die
Ausstellung bereits eine anderweitige Verfügung getroffen“ habe (fol. 3v), obwohl der Mon-
arch in diesem Fall natürlich selbst keine Entscheidung gefällt hatte.
838 FKBA37214, fol. 1r.
839 FKBA37215, fol. 4r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken