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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 664 -
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KAISERLICHES INSTITUT UND ERINNERUNGSRAUM664 Auch Schnürer dürfte mitunter weniger bedeutende Objekte für Ausstel- lungszwecke verliehen haben, ohne vorher die Genehmigung der vorgesetz- ten Stelle einzuholen. Als 1907 die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft anlässlich einer kleinen Gedenk-Ausstellung für Carl von Linné um Über- lassung einiger Porträts ansuchte, antwortete der Bibliotheksvorsteher, „daß ich gerne bereit bin, die gewünschten Linné-Porträts zum Zwecke einer Ausstellung anlässlich der Linné-Festfeier Ihrer Gesellschaft leihweise zu überlassen“.838 Als andererseits zur selben Zeit Gerüchte kursierten, dass sich die Fideikommissbibliothek mit wertvollen Handschriften an einer Aus- stellung in Belgien beteiligen würde, rechtfertigte sich Schnürer gegenüber der Generaldirektion damit, dass er „in Anbetracht des hohen Wertes dieser Handschriften die Bewilligung, dieselben in Brügge auszustellen, niemals geben [würde], ohne vorher die Genehmigung seiner hohen vorgesetzten Be- hörde dazu einzuholen.“839 Zusammenfassend kann man festhalten, dass bezüglich der Beteiligung der Fideikommissbibliothek an Ausstellungen ein hierarchischer Bewilli- gungsprozess zwar zunächst üblich und wohl auch vorgeschrieben war, aber nicht in allen Einzelfällen strikt eingehalten und mit der Zeit zunehmend verwässert wurde. Gründe, die die Einholung der Erlaubnis von höherer Stelle, die ja immer auch eine Absicherung war, unabdingbar notwendig erscheinen lassen mussten, waren: der Wert der Objekte oder ihr privater Charakter im Hinblick auf die Person des Kaisers oder anderer Mitglieder des Herrscherhauses (Autographen etc.), die Vertrauenswürdigkeit der Ver- anstalter und die Entfernung zum Ausstellungsort, die lange Transportwege notwendig machte. Dass in der Fideikommissbibliothek grundsätzlich wegen Leihgaben für Ausstellungen angefragt wurde, dafür waren verschiedene Faktoren aus- schlaggebend: der gedruckte Katalog, Zeitungsartikel und sonstige pub- lizierte Nachrichten aus und über die Sammlung, die bisherigen Ausstel- lungen, an denen sie beteiligt war, persönliche Kontakte und Personen, die in die Vorbereitung von Ausstellungen involviert waren und aus anderen Gründen mit den Beständen der Fideikommissbibliothek vertraut waren. Durch das Zusammenwirken dieser Einflussfaktoren über die Jahre hin- weg war die Kenntnis über ihre potentielle Leihgeberschaft soweit in die Öf- fentlichkeit gedrungen, dass besondere Kanäle für Hinweise wohl gar nicht mehr notwendig waren. Damit war allerdings noch nicht festgelegt, wie die Ausstellung bereits eine anderweitige Verfügung getroffen“ habe (fol. 3v), obwohl der Mon- arch in diesem Fall natürlich selbst keine Entscheidung gefällt hatte. 838 FKBA37214, fol. 1r. 839 FKBA37215, fol. 4r. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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