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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 675
Karpf getroffene Objektauswahl radikal zusammengestrichen. Mit 97 Ob-
jekten war die Fideikommissbibliothek zwar immer noch der größte einzelne
Leihgeber (gefolgt vom Historischen Museum der Stadt Wien mit 89);892 bei
einer Gesamtzahl von rund 2.000 Exponaten machte dies aber nur fünf Pro-
zent der Ausstellung aus. Karpf hatte ursprünglich „711 Werke (über 900
bloß auf die Jahre 1813 bis 1816 sich beziehende systematisch verzeichnete
Gegenstände)“ vorgesehen. Er hatte für die Ausstellung ein eigenes „Pro-
gramm“ entworfen, das neben den unmittelbar auf den Wiener Kongress
bezüglichen Bild- und Schriftdokumenten auch die Zeit davor und danach –
vor allem die militärischen Ereignisse daraus – berücksichtigte sowie die
„Regentenwechsel u. Territorialverschiebungen“. Auf dieser Basis wäre eine
Auswahl zu treffen, wie er sich ausdrückte, „aus einem Bestand von Hun-
derttausenden den verschiedensten Disciplinen angehörigen Objecten“.893
Alles deutet also darauf hin, dass Alois Karpf mit Beständen der Fideikom-
missbibliothek bereits eine eigene Ausstellung zum Wiener Kongress konzi-
piert hatte, die aber dann so freilich nicht bei der offiziellen Ausstellung im
Museum für Kunst und Industrie übernommen wurde. Immerhin weist die
Initiative Karpfs auf die Erscheinung voraus, dass die Fideikommissbiblio-
thek nach der Jahrhundertwende tatsächlich bei mehreren Ausstellungen
jeweils mit einer eigenen Sonderschau vertreten war.
Doch so ohne weiteres ließ sich Karpf von seinem Ausstellungsprojekt an-
scheinend nicht abbringen. Die von ihm zusammengestellten Objekte waren
ja, wie erwähnt, in den Räumen des Augustinergangtraktes in Vitrinen zur
Besichtigung aufgelegt und dort verblieben sie mindestens bis zum April des
Jahres 1896, also wohl noch für die ganze Dauer der Wiener-Congress-Aus-
stellung im Museum für Kunst und Industrie. Denn es existieren mindes-
tens drei Zeitungsartikel, die über diesen Umstand berichten und anschei-
nend mit dem Ziel verfasst wurden, die „Ausstellung“ im Augustinergang in
der Öffentlichkeit bekannt zu machen.894 Zwei davon wurden noch im Au-
gust 1895 veröffentlicht, und zwar im „Fremden-Blatt“ und im „Neuen Pes-
ter Journal“. Sie sind mit den Initialen E. K. gezeichnet, stammen also vom
Schriftsteller und Redakteur des Fremdenblattes Ernst Keiter (1843–1907),
der in den 1890er Jahre auch noch weitere Artikel über die Fideikommiss-
bibliothek verfasst hat.895 In beiden Aufsätzen betont Keiter, dass die Fidei-
kommissbibliothek in der Lage wäre, allein aus ihren eigenen Beständen
eine Ausstellung zur Kongresszeit zu bestücken. Die von Karpf zusammen-
892 Katalog Wiener-Congress-Ausstellung 1896 (Wien 1896) 252 u. 253f.
893 FKBA34149, fol. 34r u. 35r–36r.
894 Zwei davon und zwei weitere Zeitungsausschnitte liegen dem Akt FKBA34149 bei.
895 Beetz, Porträtsammlung (1926), 73. Zu Keiter siehe ÖBL, Bd. 3 (1965), 563.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken