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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM684
und die nunmehr in der Fideikommissbibliothek aufbewahrt wurden.929 Es
handelt sich dabei um Steindrucke, deren Vorzeichnungen Franz Joseph
während oder nach einer Reise durch die Lombardei und Venetien im Jahr
1845 geschaffen hatte und die später aufgrund eines Irrtums als Darstellun-
gen aus Dalmatien rezipiert wurden (vgl. Abschnitt 3.4). Minkus hatte sie
Anfang des Jahres 1908 aus der Fideikommissbibliothek neben anderen Ob-
jekten als Anschauungsmaterial für Vorträge entlehnt, die durch den „Ver-
ein zur Förderung der Spitzen- und Hausindustrie in Dalmatien“ organisiert
worden waren.930
Wie also gestaltete sich nun der Vorbereitungsprozess zur Beteiligung
der Fideikommissbibliothek an der Ausstellung „Unser Kaiser“ aufgrund
der Aktenlage? Nachdem ein entsprechender Aufruf durch das Veranstal-
tungskomitee am 7. Juli 1908 bei der Generaldirektion eingelangt war,
schlug Vize-Generaldirektor Franz von Hawerda-Wehrlandt zunächst vor,
Schnürer zum Abfassen eines Verzeichnisses der für die Ausstellung geeig-
neten Objekte zu veranlassen. Chertek entschied jedoch, dass dies erst nach
mündlicher Rücksprache mit ihm zu erfolgen hätte.931 Eine solche Bespre-
chung muss es auch gegeben haben, da Schnürer am 7. August erklärte, „auf
Grund von Mitteilungen, die Euere Excellenz mir im Sommer dieses Jahres
bezüglich dieser Ausstellung machten, entsprechende Vorarbeiten eingelei-
tet“ zu haben.932 Kurz zuvor hatte nämlich Chertek bei Schnürer angefragt,
„ob ein Komiteemitglied ihm vorgesprochen hat“,933 was jedoch bisher nicht
der Fall gewesen war. Mit Einwilligung des Generaldirektors wandte sich
Schnürer daraufhin direkt an Fritz Minkus und bot ihm eine persönliche
Unterredung zwecks weiterer Planung an. Dieser wiederum hielt sich da-
mals in Igls in Tirol auf und kündigte an, erst gegen Ende September in der
Fideikommissbibliothek vorsprechen zu wollen.934 In der Zwischenzeit wurde
in der Sammlung eine Vorauswahl von Objekten getroffen. Am 19. Septem-
ber forderte Schnürer Minkus auf, „nunmehr – u. zw. wennmöglich in den
nächsten Tagen – die bereitliegenden Stücke zu besichtigen und uns mit-
zuteilen, was Sie davon für Ihre Zwecke verwerten wollen.“935 Doch erst am
15. Oktober meldete sich dieser, und zwar bei der Generaldirektion: In ei-
nem Brief an Chertek bat Minkus, „wegen Beschickung der Huldigungsaus-
stellg. ‚Unser Kaiser‘ mit der Leitung der Familien-Fideicommiß-Bibliothek
929 FKBA38066, fol. 9r.
930 FKBA37261.
931 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, R. 5, Kt. 537, Z. 2945 ex. 1908.
932 FKBA38066, fol. 2r.
933 FKBA38066, fol. 3r.
934 FKBA38066, fol. 9r–10r: Schreiben Minkus’ an Schnürer v. 12.08.1908.
935 FKBA38066, fol. 8r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken